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Hintergrund und Zielsetzung
Soziale Innovationen sind ein integraler Bestandteil des Innovationsgeschehens. Sie entstehen überall dort, wo neue soziale Praktiken, Organisationsformen oder Kooperationsmodelle Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln – etwa in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wohnen, Mobilität oder digitale Teilhabe. Trotz ihrer wachsenden Bedeutung fehlt bislang eine belastbare empirische Grundlage, um ihre Entstehung, Verbreitung und Wirkung systematisch zu erfassen. Im Gegensatz zu technologischen Innovationen existiert für soziale Innovationen weder eine kontinuierliche Berichterstattung noch eine wissenschaftliche Infrastruktur, die Entwicklungen langfristig beobachtet und vergleichbar macht.
Hier setzt das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Social Innovation Observatory (SIO) an. Das Verbundprojekt des Centrums für Soziale Investitionen und Innovationen (CSI) der Universität Heidelberg, des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen sowie des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim verfolgt das Ziel, die wissenschaftlichen und methodischen Grundlagen für eine dauerhafte Beobachtung sozialer Innovationen in Deutschland zu schaffen.
Die konzeptionelle Grundlage des SIO bildet das von den Verbundpartnern zwischen 2022 und 2024 durchgeführte Forschungsprojekt Impact Sozialer Innovationen (ISI). Im Rahmen des Projekts wurde ein Begriffsverständnis sozialer Innovationen entwickelt, das diese systematisch als integralen Bestandteil des Innovationsgeschehens konzeptualisiert. Ergänzend wurden Wirkmodelle mittlerer Reichweite entwickelt und erprobt, die soziale Innovationen anhand von Innovationsfeldern – beispielsweise Sharing Economy, digitales Lernen, gemeinschaftliches Wohnen oder Blockchain – systematisch identifizier- und analysierbar machen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass es nicht die einzelne Innovation ist, die transformativen Wandel begründet, sondern vielmehr Bündel gleichgerichteter Innovationen.
Ziel des SIO ist der Aufbau einer wissenschaftlichen Beobachtungsinfrastruktur, die soziale Innovationen in Deutschland kontinuierlich sichtbar macht und ihre Entwicklung über die Zeit nachvollziehbar werden lässt. Damit schafft das Observatorium die Grundlage für eine belastbare und langfristig vergleichbare Datenbasis, die Forschung, Politik und Praxis gleichermaßen unterstützt und zur Weiterentwicklung der Innovationsberichterstattung beiträgt.
Vorgehen
Das SIO verbindet drei sich ergänzende Bausteine: SI-Scouting, SI-Panel und SI-Insight (Abbildung 1). Gemeinsam bilden sie die Grundlage für eine kontinuierliche Beobachtung sozialer Innovationen und ihrer Dynamik.
Abbildung 1: Bausteine des Social Innovation Observatory (SIO)
Das SI-Scouting erfasst das Ökosystem sozialer Innovationen in Deutschland mithilfe kontinuierlicher Webbeobachtungen. Ein Web-Crawler identifiziert Organisationen und Initiativen, die soziale Innovationen entwickeln oder verbreiten, und analysiert deren digitale Vernetzung. Dadurch lassen sich Innovationsfelder kartieren, Entwicklungsdynamiken beobachten und Veränderungen im Ökosystem über die Zeit nachvollziehen.
Das SI-Panel ergänzt diese Perspektive durch organisationsbezogene Erhebungen zu Innovationsaktivitäten und deren Wirkungen. Im Mittelpunkt stehen neue soziale Praktiken, Organisationsformen und Kooperationsmodelle ebenso wie innovative Produkte und Dienstleistungen. Anders als bestehende Innovationsbefragungen beschränkt sich das Panel nicht auf gewinnorientierte Unternehmen, sondern folgt einem breiten Organisationsverständnis, das öffentliche Einrichtungen, Organisationen der Zivilgesellschaft (z. B. Vereine, Wohlfahrtsorganisationen, Bürgerinitiativen, NGOs), Sozialunternehmen sowie intersektorale Kooperationen einbezieht. Dadurch entsteht erstmals ein umfassenderes Bild des sozialen Innovationsgeschehens.
Der Bereich SI-Insight verknüpft die Ergebnisse des SI-Scoutings und des SI-Panels mit dem Wissen aus Wissenschaft, Politik und Praxis. Im Rahmen einer Community of Practice werden Erhebungsinstrumente, Begriffe und Messstandards gemeinsam weiterentwickelt und reflektiert. Zugleich stellt SI-Insight die Ergebnisse des Observatoriums über Formate wie eine interaktive Karte des deutschen Ökosystems sozialer Innovationen sowie ein frei zugängliches SI-Wiki bereit. Beide Angebote schaffen Transparenz, fördern den Wissenstransfer und laden dazu ein, die Wissensbasis zu sozialen Innovationen kontinuierlich gemeinsam weiterzuentwickeln.
