Integrating Social Sciences & Humanities in Enterprises Research and Innovation Activities / INSPIRE
I. Hintergrund und Ausgangslage
Das Projekt INSPIRE adressiert die bislang unzureichende Einbindung sozial und geisteswissenschaftlicher Perspektiven in industrielle Innovationsprozesse. Obwohl die Bedeutung sozial und geisteswissenschaftlichen Wissens für verantwortungsvolle Innovationsentwicklung zunehmend anerkannt wird, erfolgt dessen Nutzung in Unternehmen häufig nur punktuell und unsystematisch. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen vor komplexen Herausforderungen, die weit über technologische Fragestellungen hinausgehen. Dazu zählen organisatorischer Wandel, steigende Marktkomplexität, regulatorische Anforderungen, Nachhaltigkeitsfragen sowie die gesellschaftliche Einbettung neuer Produkte und Dienstleistungen. Sozial und geisteswissenschaftliche Expertise wird in diesen Prozessen bislang jedoch oft erst spät oder ausschließlich beratend eingebunden, wodurch wichtige Potenziale hinsichtlich der Risikominimierung und Nutzerorientierung von Innovationen ungenutzt bleiben.
II. Zielsetzung
Die Ursachen hierfür liegen unter anderem in unterschiedlichen Arbeitslogiken von Wissenschaft und Industrie sowie dem Mangel an erprobten Kooperationsmodellen, die insbesondere für KMU praktikabel und übertragbar sind. INSPIRE setzt genau an dieser Schnittstelle an und verfolgt das Ziel, ein praxisnahes und langfristig nutzbares Rahmenwerk für den systematischen Wissensaustausch zwischen Sozial und Geisteswissenschaften und industrienahen Wirtschaftsakteuren zu entwickeln.
III. Vorgehensweise
Das Projekt ist in vier Arbeitspakete gegliedert. Zunächst erfolgt eine Analyse bestehender Kooperationen zwischen Sozial und Geisteswissenschaften und Industrie in Deutschland und Europa. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bedarfe von Unternehmen und Forschenden sowie die Untersuchung erfolgreicher Kooperationsmodelle (Arbeitspaket 1). Darauf aufbauend wird ein modulares Wissensaustausch Rahmenwerk entwickelt, das unterschiedliche Formen der Wissensgenerierung und Anwendung miteinander verbindet. Im Zentrum stehen analytische Perspektiven auf Innovationsprozesse, experimentelle und partizipative Praxisformate sowie die langfristige institutionelle Verankerung erfolgreicher Ansätze. Ziel ist die Entwicklung von Werkzeugen, Methoden und Kooperationsmodellen, die flexibel in unterschiedlichen Branchen und regionalen Kontexten eingesetzt werden können (Arbeitspaket 2).
Im weiteren Projektverlauf wird ein konkretes Instrument des Rahmenwerks in einem realen Anwendungskontext pilotiert und gemeinsam mit Unternehmen, Wissenschaftler:innen sowie Studierenden weiterentwickelt. Die Pilotierung dient dazu, die Praxistauglichkeit und Relevanz der entwickelten Ansätze zu überprüfen und Anpassungen vorzunehmen (Arbeitspaket 3). Abschließend werden Empfehlungen für politische Entscheidungsträger und Intermediäre erarbeitet, um die langfristige Integration der entwickelten Werkzeuge in bestehende Innovationsökosysteme zu unterstützen (Arbeitspaket 4).
INSPIRE wird am IAT im Forschungsschwerpunkt Innovation, Raum und Kultur durchgeführt und baut auf umfangreichen Vorarbeiten zu sozialer Innovation, Wissensökosystemen und regionaler Transformation auf.