Fachkräftemangel in Kitas: Personalarbeit neu denken

Kita Connect bringt Akteurinnen und Akteure in Osnabrück zusammen

Pressemitteilung vom 12.06.2026
Redaktion: Marco Baron

Die erste regionale Potenzialwerkstatt im Bundes- und EU-geförderten Projekt „Kita Connect“ hat am Montag, 8. Juni, in Osnabrück stattgefunden. Akteurinnen und Akteure aus Kitas, Kita-Trägern, Kommunen, Verwaltung, Unternehmen und Verbänden diskutierten, wie lebensphasenorientierte Personalarbeit in Kindertageseinrichtungen gelingen kann. Am 30. Juni folgt in Hannover die zweite Potenzialwerkstatt. Die neue Ausgabe „Forschung aktuell“ des Instituts Arbeit und Technik (IAT) vertieft das Thema wissenschaftlich.

Der Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen gehört zu den größten Herausforderungen für Bildung, Familien und Kommunen. Mit dem Projekt „Kita Connect“ entwickeln das Bildungswerk ver.di in Niedersachsen e. V. und das Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen gemeinsam neue Wege, um pädagogische Fachkräfte langfristig im Beruf zu halten und Kitas als attraktive Arbeitsorte zu stärken. Das Vorhaben wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.

Einen wichtigen Meilenstein markierte die erste regionale Potenzialwerkstatt am Montag, 8. Juni, in Osnabrück. Vertreterinnen und Vertreter aus Kindertageseinrichtungen, Trägerorganisationen, Kommunen, Gesundheitswesen, Handwerk und Sozialwirtschaft diskutierten gemeinsam, wie Personal- und Organisationsentwicklung stärker an den unterschiedlichen Lebens- und Berufsphasen von Beschäftigten ausgerichtet werden kann.

Erste Impulse und Ergebnisse aus Osnabrück

Ein zentrales Ergebnis dieser Potenzialwerkstatt war die Erkenntnis, dass lebensphasenorientierte Personalarbeit nicht mit fertigen Konzepten oder umfangreichen Programmen beginnen muss. Vielmehr braucht es die Bereitschaft, Beschäftigte in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen wahrzunehmen, erste Schritte auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Die Teilnehmenden betonten zudem die Bedeutung von Austausch und Vernetzung, um gute Praxis sichtbar zu machen und voneinander zu lernen.

„Der Fachkräftemangel in Kitas ist längst nicht mehr nur ein Problem einzelner Einrichtungen. Er betrifft Familien, Unternehmen, Kommunen und die gesamte Gesellschaft. Deshalb brauchen wir neue Ansätze, die Beschäftigte über ihr gesamtes Berufsleben hinweg unterstützen und im Beruf halten“, sagt Franziska Schlamann, Projektleiterin von Kita Connect beim Bildungswerk ver.di in Niedersachsen e. V.

Fachkräftesicherung braucht neue Perspektiven

Die zentrale Idee von Kita Connect: Beschäftigte erleben im Laufe ihres Berufslebens sehr unterschiedliche Anforderungen – vom Berufseinstieg über Familienphasen und gesundheitliche Belastungen bis hin zum späteren Berufsausstieg. Klassische Personalinstrumente greifen häufig zu kurz, weil sie diese individuellen Lebens- und Erwerbskonstellationen nicht ausreichend berücksichtigen.

Genau hier setzt das Projekt an. Gemeinsam mit Einrichtungen, Trägern und regionalen Akteurinnen und Akteuren entwickelt Kita Connect praxisnahe Instrumente für eine lebensphasen- und laufbahnorientierte Personal- und Organisationsentwicklung. Geplant sind unter anderem Anforderungs- und Ressourcenlandkarten, Maßnahmenportfolios für Träger und Einrichtungen sowie eine praxisorientierte Toolbox für die betriebliche Umsetzung.

Wissenschaft und Praxis arbeiten Hand in Hand

Während das Bildungswerk ver.di die sozialpartnerschaftliche Vernetzung, den Wissenstransfer und die praktische Erprobung in den Einrichtungen verantwortet, bringt das IAT seine arbeitswissenschaftliche Expertise in das Projekt ein. Die Zusammenarbeit zeigt bereits erste Ergebnisse.

In der aktuellen Ausgabe von „Forschung aktuell“ analysieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IAT gemeinsam mit dem Projektteam von Kita Connect die Lebens- und Berufsverläufe pädagogischer Fachkräfte und identifizieren zehn zentrale Lebensphasen, die für die Personalentwicklung in Kitas besonders relevant sind. Die Untersuchung macht deutlich, dass erfolgreiche Fachkräftesicherung weit mehr umfasst als Recruiting und Weiterbildung. Entscheidend sind Arbeitsbedingungen, Entwicklungsperspektiven, Gesundheitsförderung und passgenaue Unterstützung in unterschiedlichen Lebenssituationen.

„Unsere Analysen zeigen, dass sich berufliche und private Anforderungen häufig überlagern. Wer Fachkräfte dauerhaft gewinnen und halten will, muss diese Lebenskonstellationen verstehen und in der Personalarbeit berücksichtigen“, sagt Silke Völz, Projektkoordinatorin und Wissenschaftlerin am IAT.

Modellprojekt mit bundesweiter Relevanz

Die Erfahrungen aus der regionalen Potenzialwerkstatt in Osnabrück sowie einer weiteren am 30. Juni in Hannover fließen unmittelbar in die weitere Projektarbeit ein. Ziel ist es, übertragbare Modelle zu entwickeln, die auch über Niedersachsen hinaus Impulse für die Fachkräftesicherung im Bildungs- und Sozialbereich geben können.

Das Projekt „Kita Connect – Innovative Vernetzung für lebensphasen- und laufbahnorientierte Personal- und Organisationsentwicklung in Kitas“ läuft von April 2025 bis März 2028. Vorhabenträger ist das Bildungswerk ver.di in Niedersachsen e. V., wissenschaftlicher Projektpartner das Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule. Gefördert wird das Vorhaben im Programm „Wandel der Arbeit sozialpartnerschaftlich gestalten – weiter bilden und Gleichstellung fördern“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus).

Die Ausgabe Forschung aktuell 06/2026 „Berufsbiografische Lebenskonstellationen pädagogisch Beschäftigter in Kindertageseinrichtungen: Was lässt sich für die Personalarbeit lernen?“ ist kostenlos abrufbar unter: https://doi.org/10.53190/fa/202606

Nächste Potenzialwerkstatt am 30. Juni in Hannover

Nach der ersten Potenzialwerkstatt in Osnabrück findet die zweite regionale Potenzialwerkstatt am Dienstag, 30. Juni 2026, von 13 bis 17 Uhr im Veranstaltungszentrum Rotation, Goseriede 10, 30159 Hannover, statt. Die Teilnahme ist kostenlos, Verpflegung ist inklusive. Die Plätze sind begrenzt. Eine Anmeldung ist erforderlich unter: https://www.bw-verdi.de/kurssuche/kurs/44253203/index.php

Für Fragen stehen zur Verfügung:

Silke Völz (IAT), Durchwahl 0209/1707-131, voelz@iat.eu
Denise Becka (IAT), Durchwahl 0209/1707-227, becka@iat.eu 
Franziska Schlamann (Bildungswerk ver.di), Durchwahl 0541/35740-34, franziska.schlamann@bw-verdi.de

Kita Connect Potenzialwerkstatt in Osnabrück am 8.6.2026 - Teilnehmende
Austausch in der ersten regionalen Potenzialwerkstatt des Projekts „Kita Connect“ in Osnabrück: Die Teilnehmenden diskutierten Ideen und Erfahrungen zur lebensphasenorientierten Personalarbeit in Kitas. © Bildungswerk ver.di in Niedersachsen e. V. | Foto: Hermann Pentermann
Kita Connect Potenzialwerkstatt in Osnabrück am 8.6.2026 - Franziska Schlamann
Franziska Schlamann vom Bildungswerk ver.di in Niedersachsen e. V. und Projektleitung im Projekt „Kita Connect“. © Bildungswerk ver.di in Niedersachsen e. V. | Foto: Hermann Pentermann
Kita Connect Potenzialwerkstatt in Osnabrück am 8.6.2026 - Silke Völz
Silke Völz vom Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule bringt auch die wissenschaftliche Perspektive in das Projekt „Kita Connect“ ein. © Bildungswerk ver.di in Niedersachsen e. V. | Foto: Hermann Pentermann

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Silke Völz(Arbeit & Wandel)
Denise Becka(Arbeit & Wandel)

Publikation zum Thema:

JahrTitel / ZitationDokumententypLinks / Downloads
2026

2026:  

Berufsbiografische Lebenskonstellationen pädagogisch Beschäftigter in Kindertageseinrichtungen: Was lässt sich für die Personalarbeit lernen?

Citation:  

Völz, S., Becka, D., Schlamann, F., Sommer, S. & Evans-Borchers, M. (2026): Berufsbiografische Lebenskonstellationen pädagogisch Beschäftigter in Kindertageseinrichtungen: Was lässt sich für die Personalarbeit lernen? Forschung Aktuell, 2026 (06). Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik, Westfälische Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen. https://doi.org/10.53190/fa/202606

Document type:  

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Das Projekt „Kita Connect – Innovative Vernetzung für lebensphasen- und laufbahnorientierte Personal- und Organisationsentwicklung in Kitas“ wird im Rahmen des Programms „Wandel der Arbeit sozialpartnerschaftlich gestalten – weiter bilden und Gleichstellung fördern“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.