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Digitalisierung - Krankenhaus - Interaktion - Kompetenz / DigiKIK

Ziel und Aufgabenstellung

Eine vorausschauende und partizipativ-organisierte Personalarbeit ist ein betrieblicher Schlüsselfaktor im digitalen Transformationsprozess der Krankenhäuser. In der Praxis sind betriebliche Digitalisierungsstrategien und die Personalarbeit jedoch häufig nur unzureichend aufeinander abgestimmt. Dynamik, Reichweite und  Komplexität der Veränderungen von Arbeitsplätzen sowie von Versorgungs- und Arbeitsprozessen durch digitale Technik stellen zudem neue und erweiterte Anforderungen an die Sicherung der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn digitale Technik einen Beitrag zur Entlastung und Aufwertung von Arbeit  sowie zur Verbesserung der  Versorgungsqualität leisten soll. Hier werden  insbesondere die Berufsgruppen in Pflege und Medizin, aber auch weitere Beschäftigtengruppen in den Kliniken adressiert. Ausgangspunkt des dreijährigen Forschungs-, Entwicklungs- und Erprobungsprojektes ist, dass für unterschiedliche Berufs- und Beschäftigtengruppen im Krankenhaussektor bislang keine differenzierte Analysen zum Zusammenhang von subjektiven Kompetenzen, Nutzungserfahrungen, Nutzungspraktiken und zielgruppenspezifischen Entwicklungs- und Unterstützungsbedarfen vorliegen. Hier sind bisherige Erfahrungen  aus anderen Branchen nicht vollständig auf die Organisation Krankenhaus übertragbar. Die Entwicklung neuer Lösungen ist nicht nur ein wichtiges Handlungsfeld für die betriebliche Personalarbeit selbst. Denn die skizzierten Herausforderungen stellen auch neue und erweiterte Anforderungen an betriebliche Interessenvertretungen. So fordert nicht zuletzt die Dynamik technologischer Veränderungen  von den betrieblichen Mitbestimmungsakteuren die Übernahme neuer Rollen, schneller und flexibler Handlungsstrategien und Maßnahmen für eine mitbestimmte Personalarbeit.       

 

Zielsetzung des Projektes ist die Entwicklung sozialpartnerschaftlicher und partizipativer Strukturen, Verfahren und Instrumente für die Personalarbeit im digitalen Wandel der Krankenhäuser. Gemeinsam mit Beschäftigten, Arbeitgebern und betrieblichen Interessenvertretungen werden für digitalisierte Arbeitskontexte neue Qualifikations- und Kompetenzentwicklungslösungen realisiert. Das Vorhaben verknüpft technologische Innovationen in Krankenhäusern mit sozialen Innovationen auf struktureller, prozessualer und instrumenteller Ebene in der betrieblichen Personalarbeit.

 

Folgende Aufgabenstellungen liegen dem Projekt DigiKIK zugrunde:

 

  1. Vertiefende Analysen zum Zusammenhang subjektiver Kompetenzen, Nutzungserfahrungen, Nutzungspraktiken und Arbeitsbelastung in digitalisierten Arbeitskontexten
  2. Identifizierung und Umsetzung zielgruppenspezifischer und vorausschauender Maßnahmen der Personalentwicklung sowie von Maßnahmen für »Gute Arbeit«
  3. Identifizierung von Einsatzfeldern digitaler Technik für innovative Lösungen in der zielgruppenspezifischen Qualifikations- und Kompetenzentwicklung
  4. Entwicklung eines  Indikatorensystems für die Personalarbeit in Krankenhäusern im digitalen Wandel  
  5. Erprobung beschäftigtenorientierter Empowermentstrategien und -instrumente für partizipative Gestaltungsansätze in der Personalarbeit
  6. Initierung brancheninterner (Klinikwirtschaft) und branchenübergreifender Lernprozesse

Identifizierung von Handlungsspielräumen und Handlungsressourcen  sowie  Aufbau und Erweiterung sozialpartnerschaftlicher Gestaltungs- und Innovationskapazitäten in der Personalarbeit. 

Vorgehen

DigiKIK wird durch eine Vorbereitungsphase, eine Umsetzungs- und Transferphase strukturiert. Die Umsetzungsphase gliedert sich in fünf Module:

 

  1. »DigiMAP«: Mapping betrieblicher Handlungsfelder, Aktivitäten und Herausforderungen an der Schnittstelle von betrieblicher Digitalstrategie und betrieblicher Personalarbeit
    (Strukturen, Verfahren, Instrumente). 
  2. »DigiNAVI«: Identifizierung zielgruppenspezifischer Fort- und Weiterbildungsanforderungen in Arbeits- und Versorgungsprozessen sowie auf Arbeitsplätzen.
  3. »DigiIDEE«: Entwicklung von Umsetzungsmaßnahmen und -ideen, die in einem partizipativen Beteiligungsverfahren gemeinsam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern identifiziert werden.
  4. »DigiCAMPUS«: Umsetzung neuer betrieblicher Lösungen zur zielgruppenspezifischen Qualifikations- und Kompetenzentwicklung. Festlegung betrieblicher Struktur- und Verfahrensstandards und unterstützender Maßnahmen.
  5. »DigiTransfair«: Initiierung brancheninterner und branchenübergreifender Lernprozesse,  Ableitung von Betriebs- und Branchenstandards für die Personalarbeit im digitalen Wandel und Erstellung zielgruppenspezifischer Handlungshilfen und Qualifizierungsmodule.

 

Für die Durchführung des Projektes werden verschiedene Methoden genutzt. Hierzu zählen u.a. Dokumenten- und Stakeholderanalysen, problemzentrierte qualitative Interviews, quantitative Mitarbeiter*innenbefragungen, gruppenbasierte Kompetenz- und Arbeitsprozessanalysen, Foresight-Methoden und Ideenbörsen. In Transferveranstaltungen, die grundsätzlich auch anderen Krankenhäusern offen stehen, organisieren die Kliniken ihren Wissenstransfer und ihre Projekterfahrungen. Ein elementarer Baustein des Projektes ist zudem der Transfer von Expertise und Erfahrungen zur Personalarbeit im digitalen Wandel aus anderen Branchenfeldern in das Feld der Klinikwirtschaft.  Für DigiKIK wird eine zielgruppenspezifische Kommunikationsstrategie (betriebliche Ebene/überbetriebliche Ebene) mit dem Ziel errabeitet, den beteiligungsorientierten Ansatz des Vorhabens im gesamten Projektverlauf zu stärken. Das Vorhaben wird durch einen externen Projekbeirat und durch eine formative Evaluation begleitet.    

Der DigiKIK-Experimentierraum wird mit folgenden Praxispartnern realisiert: Asklepios Westklinikum Hamburg GmbH, Asklepios Kliniken Langen-Seligenstadt GmbH, Klinikum Osnabrück GmbH sowie LVR-Klinik Viersen. Für DigiKIK haben sich als Projektträger das Institut Arbeit und Technik (IAT), Westfälische Hochschule (Gelsenkirchen) sowie als Projektpartner das BIG - Bildungsinstitut im Gesundheitswesen gGmbH (Essen), das Bildungswerk ver.di in Niedersachsen e.V. (Region Osnabrück), die Hochschule Neubrandenburg (HSNB) und die Agentur WOK (Berlin) zusammengeschlossen.

 

Hintergrund: »INQA-Experimentierräume« des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS)

Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt. Es ist Zeit, Neues zu wagen und Räume zu schaffen, in denen Unternehmensführungen und Beschäftigte gemeinsam innovative Arbeitskonzepte ausprobieren können. Vor diesem Hintergrund hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter dem Dach der INITIATIVE NEUE QUALITÄT DER ARBEIT (INQA) die Förderrichtlinie „Zukunftsfähige Unternehmen und Verwaltungen im digitalen Wandel“ initiiert. Die Förderung unterstützt Unternehmen und Verwaltungen dabei, sich aktiv mit den Herausforderungen und Chancen einer sich wandelnden Arbeitswelt auseinandersetzen. Auch das Projekt »DigiKIK« zählt zu den geförderten INQA-Projekten und hat einen Lern- und Experimentierraum eingerichtet, mit dem Ziel sozialpartnerschaftliche und partizipative Gestaltungsstrategien für die Personalarbeit in Krankenhäusern zu erproben. Alle geförderten INQA-Experimentierräume verbindet die Ausrichtung, das Potenzial der Digitalisierung zu nutzen, den digitalen Wandel aktiv zu gestalten und dabei den Menschen und seine Fähigkeiten in den Mittelpunkt zu stellen. Weitere Informationen zu den Förderprojekten auf

www.experimentierräume.de


INQA ist eine Initiative, in der sich Verbände und Institutionen der Wirtschaft, Unternehmen, Gewerkschaften, die Bundesagentur für Arbeit, Sozialversicherungsträger, Kammern und Stiftungen gemeinsam mit der Politik für eine neue, nachhaltige Arbeitskultur einsetzen – entlang der Themenfelder Personalführung, Gesundheit, Wissen & Kompetenz sowie Chancengleichheit & Diversity. Als unabhängiges Netzwerk bietet die Initiative konkrete Beratungs- und Informationsangebote für Betriebe und Verwaltungen sowie vielfältige Austauschmöglichkeiten in zahlreichen - auch regionalen - Unternehmens- und Branchennetzwerken. Weitere Informationen unter

www.inqa.de


Abbildung Banner DigiKIK

Weitere Informationen auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales


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