Studie zeigt: Frauen auf dem NRW-Arbeitsmarkt weiterhin deutlich benachteiligt

Vorstellung der Ergebnisse auf der Landespressekonferenz NRW am 3. März

Pressemitteilung vom 05.03.2026
Redaktion: Marco Baron

Michaela Evans-Borchers (l.), Institut Arbeit und Technik, und Anke Unger, DGB NRW, bei der Vorstellung des Datenreports zur Gleichstellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt in NRW auf der Landespressekonferenz am 3. März 2026 in Düsseldorf. (Foto: DGB NRW)
Michaela Evans-Borchers (l.), Institut Arbeit und Technik, und Anke Unger, DGB NRW, bei der Vorstellung des Datenreports zur Gleichstellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt in NRW auf der Landespressekonferenz am 3. März 2026 in Düsseldorf. (Foto: DGB NRW)

Im Auftrag des DGB NRW hat das Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule die aktuelle Lage von Frauen auf dem Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen analysiert. Die von Michaela Evans-Borchers und Julia Lenzen erhobenen und ausgewerteten Daten wurden am Dienstag, 3. März, gemeinsam mit dem DGB NRW bei der Landespressekonferenz in Düsseldorf vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen trotz steigender Beschäftigung weiterhin häufiger in Teilzeit und atypischen Beschäftigungsformen arbeiten und im Durchschnitt deutlich weniger verdienen als Männer.

„Unsere Untersuchung zeigt, dass wir von Gleichstellung auf dem NRW-Arbeitsmarkt noch weit entfernt sind“, erklärte Michaela Evans-Borchers vom Institut Arbeit und Technik. Zwar sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, sie liege aber immer noch unter der von Männern (56,1 Prozent vs. 64,9 Prozent). „Berufstätige Frauen arbeiten zudem deutlich öfter in sogenannter atypischer Beschäftigung als Männer“, so die Wissenschaftlerin. Demnach entfielen 76,1 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitjobs und 59,4 Prozent der Minijobs in NRW auf Frauen. „Und obwohl Frauen in NRW oftmals besser qualifiziert sind als Männer, arbeiten sie häufiger in Tätigkeiten, in denen das Anforderungsniveau geringer ist.“ Während 59,2 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen über einen anerkannten Berufsabschluss verfügten, seien es bei Männern nur 55,1 Prozent. „Auch beim Gehalt liegen die Geschlechter auseinander: 2025 verdienten Frauen in NRW im Schnitt 15 Prozent weniger pro Stunde als Männer (unbereinigter Gender Pay Gap).“ Ein wichtiger Grund, warum Frauen ihre Arbeitszeit reduzierten und ihre beruflichen Ambitionen zurückstellten, sei die fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf, erläuterte Evans-Borchers. „Hier spielen fehlende oder unzuverlässige Angebote zur Kinderbetreuung eine Rolle, aber auch die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern.“ Während Männer in NRW wöchentlich rund 20 Stunden für Haushaltstätigkeiten und Betreuung von Angehörigen aufbrächten, seien es bei den Frauen fast 30 Stunden.

„Frauen müssen endlich die gleichen Chancen im Berufsleben bekommen wie Männer“, forderte Anke Unger, stellvertretende Vorsitzende des DGB NRW. „Das ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, auch Wirtschaft und Gesellschaft würden erheblich profitieren: Berufstätige Frauen tragen zur wirtschaftlichen Stabilität ihrer Familien bei, sie zahlen Steuern und Sozialabgaben und sie sind dringend benötigte Fachkräfte.“ Damit Frauen endlich den Anteil auf dem NRW-Arbeitsmarkt einnehmen könnten, der ihrer Qualifikation und ihren Wünschen entspricht, müssten Politik und Arbeitgeber laut Unger endlich aktiv werden: „In den letzten Jahren ist zu wenig passiert, um Frauen angemessen zu fördern und Hürden aus dem Weg zu räumen. Wir erwarten daher, dass Landesregierung, Bundesregierung und Arbeitgeber das Thema ganz oben auf ihre Agenda setzen!“ Für echte Gleichstellung brauche es laut DGB NRW eine verlässliche und qualitativ hochwertige Kinderbetreuungs- und Pflegeinfrastruktur, Arbeitszeitmodelle, die zur jeweiligen Lebensphase passen, eine Steigerung der Tarifbindung und die Aufwertung frauendominierter Berufe. „Anstatt durch Minijobs, Ehegattensplitting und Steuerklasse V das klassische Hauptverdiener-Modell zu fördern, sollte der Staat zudem Anreize für eine partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit setzen: Zum Beispiel durch eine zehntägige bezahlte Freistellung von Vätern nach der Geburt eines Kindes“, sagte Unger. Zudem könnten Vereinbarkeitslotsen in Betrieben und Verwaltungen helfen, die Unternehmenskultur familienfreundlicher zu gestalten und Beschäftigte bei Vereinbarkeitsfragen zu unterstützen.

Hier gibt es den Datenreport zum Download.

© DGB NRW

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Michaela Evans-Borchers(Arbeit & Wandel)
Julia Lenzen(Arbeit & Wandel)