Alttextilmarkt unter Druck: Neue Wege für eine regionale Kreislaufwirtschaft

IAT und Projektpartner zeigen Potenziale und Herausforderungen im Bergischen Städtedreieck

Pressemitteilung vom 28.09.2026
Redaktion: Marco Baron

Die neue Ausgabe „Forschung aktuell“ des Instituts Arbeit und Technik untersucht, wie eine regionale zirkuläre Alttextilwirtschaft im Bergischen Städtedreieck gestärkt werden kann. Grundlage sind unter anderem vier Roundtables mit 15 Secondhand-Läden aus der Region. Zentrale Ansätze liegen vor allem in der besseren Sortierung, Aufbereitung und Verwertung nicht mehr verkäuflicher Textilien sowie in einer stärkeren Sichtbarkeit von Secondhand. Beim „Repair & Share“-Festival am 31. Oktober 2026 in Wuppertal werden diese Themen auch praktisch aufgegriffen.

Wie können Altkleider in Zeiten von Fast Fashion nachhaltig wiederverwendet werden? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigten sich 15 Secondhand-Bekleidungsläden aus dem Bergischen Städtedreieck im Rahmen des EFRE-Projekts „FAB.Region Bergisches Städtedreieck“ (FAB.Region) bei mehreren Roundtable-Gesprächen. Im Mittelpunkt stand dabei auch die Herausforderung, wie gebrauchte Textilien möglichst lange im Wirtschaftskreislauf gehalten und auch nicht mehr verkäufliche Kleidungsstücke sinnvoll weiterverwendet werden können. Gemeinsam mit den Forschenden diskutierten sie auch Kooperationsmöglichkeiten, Warenlogistik, Marketing und gemeinsame Veranstaltungsformate.

Schnell wurde deutlich: Eine der größten Herausforderungen für die Secondhand-Branche ist die wachsende Menge an Textilien, die sich nicht mehr weiterverkaufen lässt. Fast- und Ultra-Fast-Fashion verschärfen diese Entwicklung. Teilweise geringe Materialqualität und hohe Kunstfaseranteile erschweren Wiederverwendung und Recycling. Gleichzeitig sinken die Erlöse, während Sortier-, Lager- und Entsorgungskosten steigen.

„Die Roundtables zeigen ein scheinbares Paradox: Die Nachfrage nach Secondhand wächst, gleichzeitig haben viele Läden große Mengen an Kleidung, die sich aufgrund von Qualität oder Zustand nicht mehr verkaufen lässt. Für eine regionale Kreislaufwirtschaft müssen wir deshalb vor allem diese Textilströme stärker in den Blick nehmen“, sagt Dr. Kerstin Meyer vom Forschungsschwerpunkt Raumkapital des IAT.

Das eigentliche Ziel: Textilien im Kreislauf halten

In den Roundtables wurden verschiedene Ansätze diskutiert, um nicht mehr verkäufliche Textilien möglichst lange im Wirtschaftskreislauf zu halten. Nicht mehr verkäufliche Textilien sollen möglichst nicht zu Abfall werden, sondern repariert, aufbereitet oder zu neuen Produkten weiterverarbeitet werden.

Eine stärkere Wiederverwendung und hochwertige Verwertung von Alttextilien können dazu beitragen, die Umweltwirkungen der Textilwirtschaft zu reduzieren. Die gemeinnützige Gesellschaft für Entsorgung, Sanierung und Ausbildung mbH (GESA) und das Projekt FAB.Region entwickeln und erproben daher z. B. gemeinsam Ansätze zur Verwertung der anfallenden Altkleider. Ziel ist der Aufbau einer sozialen und zirkulären Altkleiderwirtschaft, in der gebrauchte Textilien möglichst lange genutzt und regionale Wertschöpfungsketten gestärkt werden.

Repair & Share Festival am 31. Oktober – Reparaturrekord ist das Ziel

Wie eine solche zirkuläre Wirtschaft im Alltag funktionieren kann, zeigt das „Repair & Share Festival“, das am Samstag, 31. Oktober 2026, in Wuppertal zum Abschluss der „Circular Week 2026“ stattfinden wird.

Dabei soll deutlich werden, wie eine Kreislaufwirtschaft im Alltag funktionieren kann. Ganz nach dem Motto „Aus Altem wird Neues“. Ein besonderes Ziel der Veranstaltung ist es, einen Reparaturrekord mit mindestens 4.000 gemeldeten Reparaturen innerhalb eines Monats in NRW aufzustellen. Damit wollen die Veranstalter zeigen, dass Reparieren eine praktische und nachhaltige Alternative zum Neukauf sein kann. Die Reparaturen können hier eingetragen werden: https://reparatur.fab-bergisch.org

„Technische Lösungen allein reichen nicht. Secondhand, Reparatur und Upcycling müssen sichtbarer und im Alltag attraktiver werden. Veranstaltungen wie das Repair & Share Festival können zeigen, wie Kreislaufwirtschaft praktisch funktioniert und zum Mitmachen einladen“, sagt Vera Austrup vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

Mitmachen können alle, die ein Kleidungsstück oder einen anderen Gegenstand reparieren, aufbereiten oder länger nutzbar machen möchten.

Secondhand-Branche steht vor wachsenden Herausforderungen

Das Festival soll zugleich für Reparatur, Wiederverwendung und einen bewussteren Umgang mit Konsum sensibilisieren. Die Roundtable-Gespräche machten zugleich deutlich, unter welchem Druck viele Secondhand-Läden stehen. Zahlreiche Betreiberinnen und Betreiber berichten, dass ihnen häufig sowohl Personal als auch geeignete Räumlichkeiten fehlen, um die wachsenden Mengen an abgegebener Kleidung zu bewältigen.

Gleichzeitig hat sich der wirtschaftliche Wert gebrauchter Textilien deutlich verändert. Während Secondhand-Textilien im Jahr 2016 noch mit etwa 30 bis 50 Cent pro Kilogramm bewertet wurden, liegt der Wert heute teilweise nur noch bei rund 5 bis 12 Cent. Gleichzeitig steigt der Anteil der Textilien, die nicht weiterverkauft werden können, deutlich an. Nach Angaben aus den Gesprächen hat sich die Menge, der nicht verwertbaren Textilien deutlich erhöht. Das Projekt FAB.Region hat sich deshalb bereits 2024 zum Ziel gesetzt, das Bergische Städtedreieck auf dem Weg zu einer regionalen und zirkulären Textilwirtschaft zu unterstützen.

„Im Projekt geht es darum, die unterschiedlichen Kompetenzen in der Region sinnvoll miteinander zu verbinden: Secondhand-Läden können sich auf die Wiederverwendung konzentrieren, während andere Akteure Sortierung, Aufbereitung und Recycling vorbereiten. Solche arbeitsteiligen Lösungen wollen wir im Bergischen Städtedreieck weiter erproben“, erklärt Sven Lucas Erhard, Projektmanager FAB.Region bei der Bergischen Gesellschaft.

Die Ergebnisse der neuen „Forschung aktuell“ zeigen insgesamt: Eine regionale textile Kreislaufwirtschaft kann als arbeitsteilige Struktur funktionieren. Secondhand-Einrichtungen konzentrieren sich auf die Wiederverwendung verkaufsfähiger Kleidung, während ergänzende Akteure Sortierung, Aufbereitung und Verwertung nicht mehr verkäuflicher Ware übernehmen sollten. Weitere Potenziale liegen in Bildungsarbeit, gemeinsamer Sichtbarkeit und Kooperationen zwischen Secondhand-Läden, Werkstätten, Recyclingunternehmen und weiteren regionalen Akteuren.

Die Ausgabe „Regionale zirkuläre Wirtschaft im Altkleidergeschäft – Wunsch oder Wirklichkeit?“ von Kerstin Meyer, Inga Seiffert, Sven Lucas Erhard, Juliane Palotz und Vera Austrup ist in der Reihe „Forschung aktuell“ des Instituts Arbeit und Technik erschienen und steht kostenlos zum Download bereit unter www.iat.eu/publikationen/forschung-aktuell.

Das Projekt „FAB.Region Bergisches Städtedreieck – Transformation hin zu einer co-kreativen Kreislaufwirtschaftsregion“ wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Mehr Informationen unter: https://www.fab-bergisch.org/

Für Fragen stehen zur Verfügung:
Dr. Kerstin Meyer (IAT), Durchwahl 0209/1707-113, kmeyer@iat.eu
Sven Lucas Erhard (Bergische Gesellschaft), Durchwahl 0212/88 16 06-77, erhard@bergische-gesellschaft.de
Vera Austrup (Wuppertal Institut), Durchwahl 0202 2492-153, vera.austrup@wupperinst.org

Sortierung von Alttextilien bei der GESA in Wuppertal. (Foto: IAT/Kerstin Meyer)
Sortierung von Alttextilien bei der GESA in Wuppertal. (Foto: IAT/Kerstin Meyer)

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Kerstin Meyer(Raumkapital)
Juliane Palotz(Raumkapital)

Publikation zum Thema:

JahrTitel / ZitationDokumententypLinks / Downloads
2026

2026:  

Fab Region Playbook – Stories aus dem Begischen Städtedreieck 2025/26

Zitation:  

Erhard, S. L., Francke, O., Möntmann, L., Pabst, S., Bohle, N., Cabrera, A., Kreft, N., Schaller, S., Bauer, E., Bendlin, T., Hoor, M., Haas , N., Henkels, K., Beneke, P., Stingl, D., Gangnus, D., Meyer, K., Stratmann, L. C., Austrup, V. & Gröne, K. (2026): Fab Region Playbook – Stories aus dem Begischen Städtedreieck 2025/26. , Vol. 1. Solingen: Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft.

Dokumententyp:  

Bericht/Report

Links / Downloads:  



Publikation zum Thema:

JahrTitel / ZitationDokumententypLinks / Downloads
2026

2026:  

Regionale zirkuläre Wirtschaft im Altkleidergeschäft - Wunsch oder Wirklichkeit?

Zitation:  

Meyer, K., Seiffert, I., Erhard, S. L., Palotz, J. & Austrup, V. (2026): Regionale zirkuläre Wirtschaft im Altkleidergeschäft - Wunsch oder Wirklichkeit? Forschung Aktuell, 2026 (09). Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik, Westfälische Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen. https://doi.org/10.53190/fa/202609

Abstract / Keywords

Auf den Punkt:

  • Der Alttextilmarkt befindet sich in einer strukturellen Krise: Steigende Mengen, sinkende Textilqualität und schrumpfende internationale Absatzmärkte führen zu fallenden Erlösen und steigenden Sortier-, Lager- und Entsorgungskosten.
  • Für erhebliche Mengen unverkäuflicher Textilien fehlen wirtschaftlich tragfähige regionale Verwertungs- und Recyclingwege.
  • Spezialisierte regionale Akteure könnten Sortierung, Störstoffentfernung, Materialerkennung und Recycling unverkäuflicher Ware übernehmen. Hier liegt regionales Kooperationspotenzial.
  • Regionale Nachfragesteigerung nach Secondhand-Produkten mittels gemeinsamer Sichtbarkeit, Bildungsarbeit, Marketing und Veranstaltungen sind von Secondhand-Läden erwünscht. 

Altkleider, Kreislaufwirtschaft, zirkuläres Wirtschaften

Dokumententyp:  

Internetdokument

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