"Warum in die Ferne schweifen,"...?

– Institut Arbeit und Technik untersucht Berufsmobilitäten in der Pflege

Pressemitteilung vom 01.08.2024
Redaktion: Marco Baron

Wie können Laufbahnkonzepte im Pflegeberuf dazu beitragen, die Attraktivität des Pflegeberufs zu erhöhen? Welche Rolle spielen Berufswechsel in den und aus dem Pflegeberuf? Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Aktuell“ des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Westfälische Hochschule) widmet sich Berufsmobilitäten in der Pflege. Der Beitrag thematisiert, basierend auf einer Analyse von SOEP-Daten und Befunden aus themenspezifischen Fokusgruppen, Muster für Laufbahnentscheidungen im Pflegeberuf.

Die Autorinnen und Autoren stellen in dem Beitrag Befunde des Forschungsprojekts „Lebensphasengerechte Personalplanung & Berufslaufbahnkonzept“ vor, das gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Betriebliche Bildung gGmbH im Auftrag des Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) durchgeführt wird. Infos unter: https://www.iat.eu/projekte/2023/laufbahn-lebensphasengerechte-personalplanung-berufslaufbahnkonzept.html oder. www.bibb.de/pflege-lpp

Die Teilergebnisse zeigen, dass pflegeberufliche Laufbahnen vielfältig sind und nicht auf die Perspektive klassischer, geradliniger Laufbahnwege beschränkt werden sollten. Die Befunde deuten darauf hin, dass für Laufbahnentscheidungen in die Pflege insbesondere die Nähe zu fachnahen und personenbezogenen Interaktionstätigkeiten eine Rolle spielt. Die Entscheidung für eine Laufbahn im Pflegeberuf ist durch eine hohe Eigenmotivation der Pflege(fach)personen geprägt, die häufig darauf abzielt, sowohl sinnstiftende Arbeit mit der eigenen Lebenswelt zu vereinbaren als auch die berufliche Pflege „an sich“ voranzubringen. Weiterhin geben die beteiligten Pflegefachpersonen an, dass die voranschreitende Akademisierung der Pflege eine positive Erhöhung der Dynamik innerhalb von Pflegberuf-Laufbahnen erzeugt. Dr. Lena Marie Wirth: „Der innere und äußere Professionalisierungsprozess der Pflege zeigt seine Wirkung und sollte daher gesellschaftlich, politisch und organisational (noch) stärker flankiert werden.“

Die Anpassung auf die eigene Lebenswelt macht deutlich, wie hochrelevant Vereinbarkeitsthemen für Mitarbeitende sind, und vice versa für Pflegeeinrichtungen sein sollten. Weiterhin wird in der Analyse deutlich, dass die Akademisierung der Pflege von den im Projekt beteiligten Pflegefachpersonen als eine positive Erhöhung der Dynamik innerhalb von Pflegeberuf-Laufbahnen wahrgenommen wird. Mitautor Henrik Sellmann ergänzt: „Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig für Pflegeeinrichtungen und Pflegebeschäftigte eine lebensphasenorientierte und biografiesensible Laufbahnförderung in der Pflege ist. Hierzu können auch einrichtungsübergreifende, kooperative Angebote von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen einen wichtigen Beitrag leisten“. Die Autoren und Autorinnen kommen zu dem Ergebnis, dass die Perspektive auf Laufbahnwege in der Pflege erweitert werden muss. Um Fachkräftepotenziale zu aktivieren, ist es außerdem erforderlich, Berufswechsel in die Pflege stärker in den Fokus zu rücken.

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Julia Lenzen(Arbeit & Wandel)

Publikation zum Thema:

JahrTitel / ZitationDokumententypLinks / Downloads
2024

2024:  

"Warum in die Ferne schweifen," ...? - Berufsmobilitäten in der Pflege

Citation:  

Wirth, L. M., Lenzen, J., Sellmann, H. & Krause-Zenß, A. (2024): "Warum in die Ferne schweifen," ...? - Berufsmobilitäten in der Pflege. Forschung Aktuell, 2024 (08). Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik, Westfälische Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen. https://doi.org/10.53190/fa/202408

Abstract / Keywords

Auf den Punkt

  • „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“
    – die Abwandlung Goethes Zitats verdeutlicht die Fragestel-
    lung des Beitrags, inwiefern Ein- und Ausstiege innerhalb
    der Pflege ein Muster bezüglich fachnaher, interaktionsin-
    tensiver Beschäftigungsfelder aufweisen?
  • Teilauswertungen anhand des Sozio-oekonomischen Panels
    (SOEP) im Forschungsprojekt „Lebensphasengerechte Per-
    sonalplanung & Berufslaufbahnkonzept“ im Auftrag des
    Bundesinstitutes für Berufsbildung (BIBB) deuten darauf
    hin, dass bei Pflege(fach)personen sowohl bei Ausstiegen als
    auch bei (Quer-)Einstiegen eine Präferenz für soziale Inter-
    aktionsberufe vorliegt.
  • Fokusgruppenergebnisse des Projekts verweisen zudem da-
    rauf, dass Laufbahnen in der Pflege heterogen sind, auf Ei-
    genmotivation zurückgehen und Entscheidungen häufig mit
    dem Ziel verbunden sind, die Arbeit sowohl der eigenen Le-
    benswelt anzupassen als auch die berufliche Pflege „an sich“
    voranzubringen.
  • Die Förderung individueller lebensphasenorientierter Lauf-
    bahnen sowie die Würdigung der Beziehungs- und Interakti-
    onsarbeit als Fundament der beruflichen Pflegetätigkeit soll-
    ten folglich stärker in organisationalen Maßnahmen für
    Neu-, Quer- und Wiedereinstiege berücksichtigt werden, um
    weitere Fachkräftepotenziale für die Pflege zu aktivieren.

Fachkräftepotenziale, Quereinstieg, Berufsmobilität, Pflegeberuf, Laufbahn, sozi- ale Dienstleistungsberufe

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