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Jazz als Katalysator für authentisch-partizipative Changeprozesse / Think.Jazz

Ziel und Aufgabenstellung

Vom Jazz lassen sich eine Fülle von Parallelen zu betrieblich immer wichtiger werdenden Anforderungen an Innovation, Qualifikation und Organisation auf betrieblicher und gesellschaftlicher Ebene ableiten. Dabei ist Improvisation nur eines der Merkmale des Jazz. Der Umgang mit neuen unerwarteten Situationen, das Erschaffen von Neuem ist dem Jazz immanent. Jazzmusiker beherrschen ihre Instrumente, organisieren sich in immer wieder neuen interdisziplinären Teams, mit wechselnden Aufgaben und Rollen, in denen die Führungspositionen kontinuierlich wechseln und eine Begegnung auf Augenhöhe erfolgt. Empathie, intensive Kommunikation und Interaktion sowie Fehlertoleranz sind die Basis für den Mut zur Innovation und das Überschreiten von Grenzen. Die Arbeit ist nicht statisch, sondern hochdynamisch. Im Jazz wird ständig umdisponiert - mit höchster Professionalität und in Echtzeit. Kann also die Organisation und das Handeln einer Jazzband die analoge Antwort auf die Herausforderungen der digitalen Entwicklung sein?

Mit dem Projekt THINK.JAZZ – Jazz als Katalysator für authentisch-partizipative Change-Prozesse geht der FSP »Innovation, Raum & Kultur« zusammen mit dem nrwjazz e.V. (Verein zur Förderungen des Jazz in NRW) und erfahrenen Jazzmusikern dieser Frage nach. Ziel ist die Entwicklung eines Instrumentariums, das es ermöglicht schnell und nachhaltig die notwendigen Schlüsselqualifikationen und betrieblichen Rahmenbedingungen zu definieren, die betrieblichen Akteure (Führungskräfte, Beschäftigte, Freelancer) hierfür zu sensibilisieren und das Denken neuer Formen betrieblicher Abläufe und Strukturen anzuregen.

Im Projekt Think.Jazz werden zunächst die Sichtweisen und Planungen der Unternehmen bezüglich der neuen Innovations-, Qualifikations- und Organisationsanforderungen im Kontext der Digitalisierung der Arbeits- und Lebenswelt untersucht und den Tugenden des Jazz gegenübergestellt. Auf dieser Basis wird ein Instrument zur effektiven und effizienten, vor allem aber nachhaltigen Sensibilisierung der betrieblichen Akteure für zukünftig notwendige Schlüsselqualifikationen und betriebliche Rahmenbedingungen als Grundlage für schnellere, innovative Lösungswege entwickelt, das dazu beitragen soll die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit sicher zu stellen. Ziel ist es, die  Unternehmen und ihre Belegschaften zu befähigen, für ein sich rasant veränderndes betriebliches Umfeld und den globalen Wettbewerb durch kreative und innovative Organisations- und Kooperationsformen gerüstet zu sein.

Ausgangspunkt des Projekts ist eine Unternehmensbefragung zur aktuellen Praxis im Umgang mit dem Thema »Digitalisierung«. Im Fokus stehen dabei

  • die generelle Bedeutung der Digitalisierung für die Unternehmen, die Innovationsaktivitäten, die betrieblichen Prozesse und die damit verbundene Personalentwicklung
  • der Grad der Sensibilität für zukünftige Qualifikationsanforderungen und
  • das Problembewusstsein für notwendige personelle und organisatorische Maßnahmen.

Parallel zur Befragung wird eine Literaturrecherche durchgeführt. Im Fokus stehen hier

  • die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion über die Auswirkungen der Digitalisierung auf Unternehmen und Mitarbeiter und
  • die Nutzbarmachung des Jazz für die Organisations- und Personalentwicklung sowie Kreativität im Innovationsprozess.

Die Ergebnisse der Befragung und Literaturrecherche werden mit erfahrenen Jazzmusikern interpretiert und zu vermittelnde Inhalte sowie ein methodisch-didaktisches Modell erarbeitet. Hierbei geht es um die Übertragbarkeit der dem Jazz eigenen und für ihn notwendigen individuellen und gruppenspezifischen Tugenden der Akteure und Organisationsformen auf betriebliche Situationen, konkrete die Innovationsaktivitäten und damit verbundene Prozesse. Es geht darum, die zu erwartenden Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt darzustellen und zu begründen und in einem zweiten Schritt die zukünftig notwendigen (Schlüssel-)Qualifikation mit Hilfe neuer Methoden unter Beteiligung von Jazzmusikern erlebbar zu machen. 

Das Ergebnis soll ein effektives Vermittlungskonzept in Form von Vorträgen und Workshops sein, mit Hilfe dessen nachhaltig ein neues Bewusstsein für die erforderlichen Organisations- und Qualifikationsänderungen entsteht.

Neben dem FSP »Innovation, Raum & Kultur« des IAT und dem nrwjazz e.V. sind Jazzmusiker aktive Projektpartner, die das entwickelte Konzept in die Praxis diffundieren werden.

Vorgehen

Von der Annahme ausgehend, dass sich im Rahmen der Digitalisierung nicht nur Anforderungen an die fachlichen Qualifikationen sondern vor allem die Schlüsselqualifikationen verändern werden, sollen zunächst die entsprechenden Softskills benannt und im Rahmen einer quantitativen Erhebung diese Annahmen verifiziert bzw. die Problemsicht der Unternehmen eruiert werden. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die Entwicklung einer Vortrags-/Workshop-Reihe. Basierenden auf der Evaluation der Vortragsveranstaltungen wird ein Workshop-Konzept entwickelt, in dem mit Moderatoren und zu beteiligenden Jazzmusikern eine nachhaltige Veränderung der Sicht auf Unternehmenskultur, Führungsstil und neue Organisationsformen mit erweiterten Kommunikations- und Kooperationsformen erfolgen kann.

Die geplante Vortrags- und Workshop-Reihe bietet Unternehmen ein neues Instrument, um in möglichst kurzer Zeit die notwendigen Schlüsselqualifikationen zu definieren, die betrieblichen Akteure hierfür zu sensibilisieren und neue Formen der betrieblichen Abläufe und Strukturen zu denken. Dabei steht vor allem die Themen Effizienz und Nachhaltigkeit der Inhalte im Vordergrund.

Das Projekt gliedert sich als iterativer Prozess in folgende Arbeitsschritte

  1. Unternehmensbefragung
  2. Auswertung der Befragung und Literaturstudie
  3. Transformation und Reflektion der Befragungsergebnisse mit den erarbeiteten Tugenden des Jazz gemeinsam mit Jazzmusikern
  4. Entwicklung der Vortrags-Reihe & Pilotierung im IAT und in ausgewählten Unternehmen
  5. Entwicklung der Workshop-Reihe
  6. Pilotierung der Workshop-Reihe & Pilotierung im IAT und in ausgewählten Unternehmen
  7. Evaluation und Optimierung
  8. Vorstellung des Ergebnisses in der Fachliteratur und diversen Vorträgen

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