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Private Equity in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft: Auswirkungen auf Praktiken des Managements, Produktivitätskonzepte und Arbeit / PEPPA

Ziel und Aufgabenstellung

Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens in Deutschland gewinnen für nationale und internationale Kapitalinvestoren aufgrund ihrer wirtschaftlichen Entwicklungsperspektiven zunehmend an Attraktivität. Durch den demografischen Wandel und die Zunahme an älteren Menschen sowie bedingt durch den medizinisch-technischen Fortschritt bietet die Branche kurz- und mittelfristig vielversprechende Investitionsmöglichkeiten. Die Gesundheits- und Sozialwirtschaft ist ein sozial-, wirtschafts- und beschäftigungspolitisch bedeutendes Feld. Das Leistungsgeschehen wird in erheblichem Umfang durch Sozialversicherungsbeiträge refinanziert, die Leistungserbringung ist sozialrechtlich reguliert und wettbewerblich organisiert. Insbesondere Einrichtungen der Altenhilfe, Krankenhäuser aber auch ambulante Versorgungseinrichtungen (z.B. Medizinische Versorgungszentren) werden derzeit von Investoren übernommen. Auffällig im deutschen Gesundheits- und Sozialwesen ist dabei unter anderem die gestiegene Aktivität der Akteursgruppe Private Equity.  Dies verändert nicht nur die Besitz- und Eigentumsverhältnisse, sondern stellt auch neue Anforderung an die Managementpraxis und an betriebliche Arbeitsbeziehungen. Bislang finden sich allerdings kaum systematische Arbeiten, die sich mit den quantitativen und qualitativen Dimensionen von Private-Equity-Investments in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft - und vor allem deren Folgen für Managementpraktiken, Produktivitätskonzepte und Arbeit - auseinandersetzen. Mit dem Forschungsprojekt wird das Thema Private Equity in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft in ihren quantitativen und qualitativen, innovations- und arbeitspolitischen Dimensionen erstmalig systematisch erschlossen.

Vorgehen

Das explorative Forschungsprojekt liefert Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Welche Bereiche des Gesundheits- und Sozialwesens sind für Private-Equity-Investoren besonders attraktiv?
  • In welcher Größenordnung finden sich Private-Equity-Investitionen in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft?
  • Um wen handelt es sich bei Käufern und Verkäufern?
  • Welche Aussagen zu Investmentverläufen (Verkauf/Wiederverkauf) lassen sich treffen?
  • Wie wirken sich neue Investmentstrategien auf betriebliche Managementpraktiken und Produktivitätskonzepte aus?
  • Wie wirken sich Übernahmen auf die Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse aus (z.B. Kennzahlensteuerung, betriebliche Arbeitsbeziehungen, Mitbestimmungspraxis)? 
  • Inwieweit sind neue Investitionsmodelle ein Treiber für technologische Modernisierungsstrategien von Unternehmen?

Das Forschungsvorhaben wird methodisch durch folgende Bausteine realisiert:

  • Erfassung der quantitativen Dimensionen durch die Auswertung von Transaktionsdaten aus dem Projekt „Private Equity Monitor Deutschland“, das die Übernahmen durch Private-Equity-Gesellschaften sowie die Merkmale der übernommenen Unternehmen (u.a. Beschäftigte, Umsatz), der Käufer (Fondsvolumen, Herkunftsland) und der Verkäufer (Eigentümertyp) dokumentiert.
  • Durchführung leitfadengestützter, problemzentrierter Interviews mit Leitungs- und Führungskräften von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen und betrieblichen Interessenvertretungen, mit Experten aus Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften sowie des Finanz- und Kapitalmarktes.
  • Erstellung einer Unternehmenstypologie und kategoriengeleitete Aufbereitung
    und Analyse ausgewählter Betriebsfälle.

Das Forschungsprojekt wird in Kooperation der IAT-Forschungsschwerpunkte »Arbeit und Wandel«, »Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität« und »Raumkapital« durchgeführt.