Quartiersbefragung zu Einsamkeit
IAT diskutiert Methodik und zeigt Begegnungsmöglichkeiten auf
Pressemitteilung vom 06.02.2026
Redaktion:
Marco Baron
Das Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen veröffentlicht die Ausgabe Forschung aktuell 02/2026 zu Einsamkeit und sozialer Isolation. Grundlage ist eine Quartiersbefragung im Umfeld des Alfred-Zingler-Hauses in Gelsenkirchen. Der Beitrag dokumentiert Vorgehen und Auswertung und diskutiert Ansatzpunkte für niedrigschwellige Begegnungsangebote sowie Grenzen einer nicht repräsentativen Erhebung als Stimmungsbild.
Einsamkeit und soziale Isolation betreffen Menschen aller Altersklassen und werden in Städten zunehmend als Herausforderung für Gesundheit, Teilhabe und Zusammenhalt sichtbar. In der neuen Ausgabe der IAT-Reihe Forschung aktuell (02/2026) werden Ergebnisse einer Quartiersbefragung rund um das Alfred-Zingler-Haus vorgestellt – mit einem Schwerpunkt auf wissenschaftlicher Anlage, Datengrenzen und Ableitungen für die Praxis.
Die Befragung entstand im Umfeld des Projekts „Q.Vision! – von Mensch zu Mensch“ der Initiative Alfred Zingler-Haus e. V. (gefördert durch die Deutsche Fernsehlotterie), die mit dem Projekt Maßnahmen aufsuchender Sozialarbeit zur Begegnung einsamer oder sozial isolierter Menschen im Quartier erprobt. Die wissenschaftliche Begleitung und der Transferfokus werden im Projekt „Q.Transfer! – von Quartier zu Quartier“ gemeinsam mit der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen weiterentwickelt, ermöglicht durch die Unterstützung der Commerzbank-Stiftung.
Methodik und Datenbasis
Die Erhebung wurde im Juli und August 2025 durch Mitarbeitende im Projekt „Q.Vision!“ als standardisierte Befragung im öffentlichen Raum durchgeführt (u. a. auf der Straße, in Parks, vor Geschäften). Insgesamt wurden 214 Fragebögen ausgefüllt. Die Auswahl erfolgte nach Verfügbarkeit und Bereitschaft, sodass es sich um eine nicht repräsentative Gelegenheitsstichprobe handelt; Ziel war ein quartiersbezogenes Stimmungsbild. Freitextantworten wurden kategorisiert, die Auswertung erfolgte anonymisiert und deskriptiv.
Ergebnisse: Quartier wird sehr unterschiedlich erlebt
39,0 % der Befragten gaben an, sehr gerne im Quartier zu wohnen, 41,0 % bewerteten dies mit „geht so“, 20,0 % wohnen nicht gerne dort. Als zentrale Einflussfaktoren in den Begründungen tauchen insbesondere Nachbarschaft und soziales Miteinander sowie durchaus kontrovers empfundene Aspekte wie Sauberkeit vs. Unordnung und Ruhe vs. Lärm auf. Als Wohlfühlort im Quartier wurde häufig der „Bulmker Park“ genannt.
Etwa drei Viertel (75,6 %) der Befragten gaben an, täglich oder mindestens einmal in der Woche Kontakt zu ihrer Familie zu haben, 60,3 % haben ebenso häufig Kontakt zu Freundinnen und Freunden. Kontakte in der Nachbarschaft sind hingegen deutlich seltener vorhanden: Während bei 24,5 % der Befragten täglich Kontakt zu den Nachbarinnen und Nachbarn besteht, gaben 27,5 % der Befragten an, gar keinen Kontakt zu Nachbarinnen und Nachbarn zu haben.
Bekanntheit von Angeboten als Stellschraube gegen Einsamkeit
„Aus unserer Sicht liegt ein Mehrwert dieser Veröffentlichung darin, dass sie nicht nur Ergebnisse berichtet, sondern die Methodik transparent macht: Welche Gruppen werden über eine Straßenbefragung eher erreicht – und welche eher nicht? Wie kann eine gemeinnützige Organisation mit begrenzten Ressourcen eine Befragung durchführen? Das hilft dabei, Angebote gezielter zu entwickeln und künftige Erhebungen robuster aufzusetzen“, sagt Johannes Laser, Wissenschaftler am Forschungsschwerpunkt Arbeit und Wandel des IAT und Projektmitarbeiter von „Q.Transfer!“.
„Gerade beim Thema Einsamkeit ist es entscheidend, lokale Perspektiven systematisch einzubeziehen und zugleich Grenzen der Daten offen zu benennen. So kann aus Quartiersarbeit eine transferfähige Evidenz entstehen – als Grundlage, um wirksame Ansätze auch in andere Stadtteile und Städte verantwortungsvoll zu übertragen“, betont Prof. Dr. Kerstin Ettl, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Westfälischen Hochschule und Projektleiterin von „Q.Transfer!“.
Die Projekte „Q.Vision!“ und „Q.Transfer!“ laufen noch bis Mai 2027.

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Publikation zum Thema:
| Jahr | Titel / Zitation | Dokumententyp | Links / Downloads |
|---|---|---|---|
| 2026 | 2026: Einsamkeit und sozialer Isolation begegnen - Ergebnisse einer Quartiersbefragung Zitation: Laser, J. & Ettl, K. (2026): Einsamkeit und sozialer Isolation begegnen - Ergebnisse einer Quartiersbefragung. Forschung Aktuell, 2026 (02). Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik, Westfälische Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen. https://doi.org/10.53190/fa/202602Auf den Punkt · Einsamkeit und soziale Isolation betreffen Menschen aller Altersklassen. · Eine Gelsenkirchener Initiative versucht in einem Pilotvorhaben, Einsamkeit und sozialer Isolation mit aufsuchender Sozialarbeit zu begegnen. · Die wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens durch die Westfälische Hochschule dient der Datenerhebung, Ergebnisdokumentation und dem Erkenntnistransfer. · Eine Befragung der Bewohner:innen im Quartier zeigt, dass das Quartier von den dort lebenden Menschen sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Eine große Bedeutung für ein gelingendes soziales Miteinander haben für sie das Zusammenleben in der Nachbarschaft sowie Treffpunkte und Austauschmöglichkeiten. | Dokumententyp: Internetdokument | Links / Downloads: |