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Migrantische Ökonomie in Transition / MigranTrans

Ziel und Vorgehen

Menschen mit Migrationshintergrund leisten einen immer wichtigeren Beitrag zur Gründungslandschaft Deutschlands. Laut Studien werden über die Hälfte neu gegründeter Unternehmen jährlich von einem/einer MigrantIn geführt. Da nach wie vor der Gründungswille in Deutschland verhalten ist, sind es migrantische UnternehmerInnen, die oft den Mut und die Risikobereitschaft aufbringen, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Nicht nur ihre Migrationsgeschichte, sondern auch die Tatsache, dass einige von Ihnen bereits im Heimatland unternehmerischen Tätigkeiten nachgegangen sind, veranlassen sie zur Gründung. Und dennoch, was vereinheitlicht unter dem Stichwort "Migrantenökonomie" gefasst wird, ist ein heterogenes Phänomen, das einer genauen Betrachtung bedarf - vor allem in Bezug auf das Gründungsverhalten migrantischer UnternehmerInnen.

Zudem unterlag die migrantische Ökonomie in den vergangenen Dekaden einer starken Veränderung bedingt durch Einflüsse neuer Arten der Migration, der Digitalisierung, gesellschaftlicher Toleranz (aktuell eher rückläufig) und Bedürfnisse sowie der Entwicklung von Zukunftsbranchen und innovativen Geschäftsmodellen. Es werden z.B. zunehmend Gründungen in technisch nahen und service-orientierten Branchen vorgenommen (Stichwort: Digital Entrepreneurship). Eine zunehmende Abkehr von den traditionellen Branchen wie der Gastronomie oder dem Handel ist beobachtet. Hinzu kommt, dass obwohl die zweite und sogar dritte Generation von MigrantInnen sich selbst oft nicht mehr als Teil der Migrantenökonomie sieht, sie sich dennoch am Gründungsverhalten der vorherigen Generation orientieren. Studien fanden beispielsweise heraus, dass auch die "junge" Generation der MigrantInnen lieber in Gruppen (oft Familienangehörige und Freunde) gründet als alleine. Andere Studien berichten, dass das Vertrauen in öffentliche Institutionen (z.B. Banken) nach wie vor unter der Gruppe der migrantischen GründerInnen niedriger ausfällt und sie eher auf familiäre oder Community-nahe Geldquellen zurückgreifen. Unterschieden werden muss auch zwischen den Ethnien und den MigrantInnengruppen selbst. EU-MigrantInnen gründen anders als Drittstaatenangehörige, die sich nach wie vor mit anderen Eintrittsbarrieren zum Entrepreneurship konfrontiert sehen. Positiv hervorzuheben ist, dass migrantische GründerInnen sowohl zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen ebenso wie aufgrund ihres Bildungsniveaus und Kooperationstendenz zum Sozialkapital am Standort.

 

Ziel des Projektes, das durch die hochschulinternen Forschungsförderung der Westfälischen Hochschule gefördert wird, ist eine Vergleichsstudie der Transitionsprozesse der migrantischen Ökonomie in Deutschland zwischen damals (1960) und heute, die einen vertiefenden Einblick in die Praxis (Motive, Verhaltensweisen, Barrieren etc.) verschafft. Kern des Projektes bildet die Status-Quo Analyse migrantischen Gründungsverhaltens zur Vergleichbarkeit mit bekannten Gründungsmustern von MigrantInnen aus der Vergangenheit in Bezug auf Branchen, Geschäftsmodelle, Finanzierung, Netzwerke, Gender, Ethnie sowie EU-MigrantInnen/Drittstaatenangehörige. Geplant sind:

 

(1) Durchführung einer schriftlichen Befragung migrantischer UnternehmerInnen mit Unterstützung etablierter Netzwerke;

(2) Ergänzende Auswertung von Sekundärstudien im Themenbereich bis in die 1960 Jahre;

(3) Narrative Interviews mit migrantischen GründerInnen, die sich aktuell in der Gründungsphase befinden, oder in den vergangenen 5 Jahren gegründet haben;

(4) Narrative Interviews mit etablierten migrantischen UnternehmerInnen, die länger als 10 Jahre tätig sind;

(5) Experteninterviews mit Intermediären wie z.B. VertreterInnen des Verbands türkischer Unternehmer, IHKs/HKs, Handwerkskammern aus dem Bereich "migrantische Gründung"

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