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Digitalisierung und Outsourcing in der »Arbeitswelt Krankenhaus«: Neue Prekarisierungsrisiken für professionelle Arbeit in der digitalen Transformation? / DiOPrA

Ziel und Aufgabenstellung

Digitalisierung wird derzeit als zentraler Einflussfaktor von Veränderungsprozessen in der Arbeitswelt diskutiert. Technologische Innovationen werden in eine Arbeitswelt implementiert, welche sich durch Ökonomisierung und Umstrukturierung auszeichnen. Auch der Arbeitsort Krankenhaus ist durch verschränkte Prozesse der Ökonomisierung, der Re-Organisation von Arbeitsprozessen, Aufgaben und Tätigkeiten bei einem gleichzeitigen Bedeutungsgewinn digitaler Technik geprägt. Bislang ist unklar, wie digitale Technik auf räumliche und prozessbezogene Dimensionen der Re-Organisation von Arbeit und Beschäftigten im Krankenhaus wirkt. Der Arbeitsreport Krankenhaus „Digitalisierung“ lieferte erste Erkenntnisse zur Verbreitung und subjektiven Wahrnehmung von Digitalisierung im Krankenhaus. Weiterhin besteht Forschungsbedarf hinsichtlich der Fragestellung, wie sich Digitalisierung zum Outsourcing oder Insourcing von Leistungsprozessen, Aufgaben und Beschäftigung verhält. Offensichtlich ist allerdings, dass mit Veränderungen zu rechnen ist, denn digitalisierter Technologien verändern nicht nur im innerbetrieblichen Kontext Arbeitswelten, sondern durch digitale Technologien entstehen auch bei der zwischen und überbetrieblichen Zusammenarbeit neue Handlungsmöglichkeiten. Arbeitspolitisch wird in diesem Zusammenhang befürchtet, dass dies zu neuen Formen der Arbeitsorganisationen mit unklaren Strukturen der Interessenvertretung oder sogar zu einer weiteren Erosion des Normalarbeitsverhältnisses beitragen könnte. Auf der anderen Seite können neue Formen der Zusammenarbeit für Krankenhäuser und ihre Beschäftigten auch Vorteile hinsichtlich der Arbeitsorganisation und der Rekrutierung von Fachkräften bieten. So kann der Einsatz von externen Kräften und externer Expertise dazu genutzt werden um temporäre Personalschwankungen oder fehlende technologische Expertise zu kompensieren oder Beschäftigten Flexibilität ermöglichen.

 

Ausgehend von diesen Forschungslücken untersucht die Studie in einem explorativen Ansatz die Relevanz und den Einfluss digitaler Technologien für das Out/Insourcing von Dienstleistungen und Dienstleistungsarbeit und stellt gleichermaßen die quantitative Bedeutung von Outsourcing im Krankenhaus dar. Im Rahmen der Studie werden die Verbreitung und Einsatzfelder der verschiedensten Arten des Fremdpersonaleinsatzes und individuelle und betriebliche Handlungsmotive analysiert. Folgende Betrachtung findet vor dem Hintergrund der Aufarbeitung der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Berücksichtigung von Expertenmeinungen aus dem Feld statt. So wird deutlich, welche heterogenen Facetten Fremdpersonaleinsatz im Krankenhaus und in den Gesundheitsberufen aufweisen kann und welchen Einfluss Digitalisierung und der Fachkräftemangel auf diese Phänomene haben. Im Idealfall lassen sich dann auf dieser Basis klare  Veränderungstrends und Entwicklungspfade von externer Beschäftigung im Krankenhaus identifizieren. Ziel ist es, Aufgabenfelder, Leistungsprozesse und betroffene Beschäftigtengruppen zu explorieren und die Folgen für Beschäftigungsverhältnisse, Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung herauszuarbeiten. Im Ergebnis sollen erste Handlungsempfehlungen entstehen, die sowohl das Management als auch die Interessenvertretungen adressieren.

Vorgehen

Das Projekt führt die Reihe »Arbeitsreport Krankenhaus« fort. Leitende Forschungsfragen sind:

  1. Wie verbreitet ist das Outsourcing von Leistungsprozessen und Arbeit im Krankenhaus?
  2. Welche Relevanz hat digitale Technik für Outsourcing-Prozesse?
  3. Welche Arbeitsbereiche, Leistungen und Beschäftigtengruppen sind vom Outsourcing betroffen?
  4. Gibt es demgegenüber einen Trend zum digital gestützten Insourcing von Arbeitsbereichen, Leistungen und Beschäftigung?
  5. Welche strategischen Vorteile werden mit digital gestütztem Out- und Insourcing verknüpft?
  6. Was sind Vor- und Nachteile aus der Sicht der Beschäftigten?
  7. Welche Konsequenzen ergeben sich für Mitbestimmung und Arbeitspolitik?
  8. Welche Handlungs- und Gestaltungsempfehlungen lassen sich ableiten?

Zur Bewertung der Relevanz von Auslagerungsprozessen in deutschen Krankenhäusern werden u.a. Daten des Statistischen Bundesamtes und der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit verwendet (Sekundärdatenanalyse I). Zudem wird u.a. die BiBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung zur subjektiven Einschätzung des Vorhandenseins und der Entwicklung von atypischer Beschäftigung im Gesundheitssektor berücksichtigt (Sekundärdatenanalyse II). Zur vertiefenden Analyse von Verbreitung, betroffenen Aufgabenfeldern und Beschäftigtengruppen werden problemzentrierte Interviews mit Personal- und Verleihagenturen der Gesundheitsbranche sowie Beratungsunternehmen/ Consulting Agenturen und wissenschaftlichen Einrichtungen, die sich mit der Auslagerung von Leistungsprozessen im Krankenhaus beschäftigten. Die gewonnenen Erkenntnisse werden zu Entwicklungsszenarien und Handlungsempfehlungen verdichtet.

 

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