Migrantische Unternehmen in der Metropole Ruhr

Migrantische Unternehmen: Teil der Wirtschaft, kein Sonderfall

Pressemitteilung vom 08.10.2026
Redaktion: Beate Rullik

IAT-Fachtagung in Essen bringt Wissenschaft, Praxis und kommunale Wirtschaftsförderung und Stadtverwaltung aus fünf Ruhrgebietsstädten zusammen

Welche Rolle spielen migrantische Unternehmen heute – zwischen Quartiersentwicklung und Innovationsökosystemen? Und was brauchen sie, um nachhaltig erfolgreich zu sein und skalieren zu können? Darüber diskutierten am 7. Oktober 2026 im Colosseum Theater in Essen Forschende, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Vertreterinnen und Vertreter kommunaler Wirtschaftsförderungen und Stadtverwaltungen.

Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule gemeinsam mit der BRYCK Startup Alliance, der EWG – Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft und Duisburg Business & Innovation (DBI). Sie fand in Kooperation mit dem Projekt CONNECT statt, das im Programm Interreg Nordwesteuropa (NWE) gefördert wird.

 

Internationale Impulse aus Birmingham

Essens Stadtdirektor Peter Renzel begrüßte die Teilnehmenden und gab zugleich Einblicke in die Perspektiven der Stadt, indem er migrantisch geprägte Unternehmen als integralen Teil der Essener Wirtschaft beschrieb. Den inhaltlichen Auftakt setzte Prof. Monder Ram, Direktor des Centre for Research in Ethnic Minority Entrepreneurship (CREME) an der Aston University. In seiner Keynote plädierte er dafür, migrantische Unternehmen als festen Bestandteil der Wirtschaft zu begreifen und nicht als Sonderfall zu behandeln. Dennoch hat er auf die teilweise spezifischen Bedarfe diese Zielgruppe hingewiesen und erinnert uns: „Wissenschaftliche Erkenntnisse sollten mit kommunalen und regionalen Entscheidungsträgern geteilt werden. Dafür braucht es Offenheit auf beiden Seiten: eine Wissenschaft, die ihr Wissen teilt, und eine Politik, die bereit ist, dieses Wissen aufzunehmen.”

Am Nachmittag richtete Dr. Susan Lanz, ebenfalls Aston University, den Blick auf die Wirkung von Gründungsförderung. Ihre Leitfrage: Was verändert sich durch inklusive Unterstützungsangebote, für wen und wann – jenseits reiner Output-Zahlen? Beide Vorträge wurden anschließend unter Leitung von Dr. Alexandra David (IAT) mit dem Publikum diskutiert.

 

Vom Quartier in die Innovationsökosysteme

Die Podiumsdiskussion unter Moderation von Dr. Judith Terstriep (IAT) fragte, welche Rolle migrantische Unternehmen heute in der Stadt- und Wirtschaftsentwicklung spielen. Es diskutierten Irene Aniteye (AiDiA), Mehmet Erdogan (Duisburg Business & Innovation), Nora Ismail (Beratungsstelle Migrantenökonomie der Stadt Essen), Hind Seiferth (Unigy GmbH, Essen) und Dr. Ralf Sänger (Perspektive Neustart e.V.).

Im Format „Portraits from the Region“ stellten Unternehmerinnen und Unternehmer sich und ihre Betriebe vor: Hind Seiferth (Unigy GmbH), Selçuk Kılıç (DEREWA; TIAD e.V. und ATİAD e.V.) und Tülay Koca (Prenses Palace; PETEK Business-Netzwerk Migrantinnen e.V.). In der anschließenden Diskussion, moderiert von Ersin Üstün (BRYCK Startup Alliance), ging es um die Bedingungen für nachhaltigen unternehmerischen Erfolg.

 

Wissenschaft, Praxis und Städte an einem Tisch

Besonders gelungen ist es, neben Wissenschaft und unternehmerischer Praxis vor allem kommunale Akteure zusammenzubringen. Vertreten waren Wirtschaftsförderungen sowie Mitarbeitende der Stadtverwaltungen, die im Bereich Migrantenökonomie und Gründungsförderung tätig sind, aus Essen, Duisburg, Gelsenkirchen, Dortmund und Oberhausen.

„Migrantische Unternehmen tragen in allen Städten des Ruhrgebiets zur wirtschaftlichen Entwicklung bei. Die Tagung hat gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen Forschung, Praxis und Kommunen ist, um Unterstützungsangebote wirksam weiterzuentwickeln“, sagt Dr. Judith Terstriep, Forschungsschwerpunktdirektorin am IAT der Westfälischen Hochschule.

„Die internationalen Impulse aus Birmingham machen deutlich, dass wir Förderung nicht nur an Zahlen messen sollten, sondern daran, was sie für Unternehmerinnen und Unternehmer tatsächlich verändert.“, ergänzt Dr. Alexandra David, Wissenschaftlerin am IAT.

 

Hintergrund: Projekt CONNECT

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Projekt CONNECT statt, das im Programm Interreg Nordwesteuropa (NWE) gefördert wird, indem es um integrale Strukturen in lokalen Ökosystemen für migrantische Unternehmen geht. https://www.iat.eu/en/projects/2026/connect-connecting-support-for-migrant-entrepreneurs-to-local-regional-ecosystems-titel-englisch.html

Zum Abschluss zogen Dr. Judith Terstriep und Dr. Alexandra David (IAT) ein gemeinsames Fazit und verabschiedeten die Gäste.

 

Kontakt:

Dr. Alexandra David & Dr. Judith Terstriep david@iat.eu terstriep@iat.eu

Migrantische Unternehmen Essen 071026
Auf dem Bild von links nach rechts: Bodo Kalverdam, NRW Regionalagentur MEO;  Dr. Susan Lanz, Aston University, CREME; Dr. Judith Terstriep, IAT, Westfälische Hochschule; Peter Renzel, Stadtdirektor Stadt Essen; Prof. Monder Ram, Aston University, CREME; Dr. Alexandra David, IAT, Westfälische Hochschule; Ersin Üstün, BRYCK Startup Alliance (Foto: IAT)

Publikationen zum Thema:

JahrTitel / ZitationDokumententypLinks / Downloads
2026

2026:  

Power Relations and Outsider Entrepreneurship: Facets of Marginalisation Tendencies Toward Migrant Entrepreneurs

Zitation:  

David, A., Terstriep, J. & Zaghow, L. (2026): Power Relations and Outsider Entrepreneurship: Facets of Marginalisation Tendencies Toward Migrant Entrepreneurs. Journal of Organizational Change Management, 39 (5), 1122-1149. https://doi.org/10.1108/JOCM-10-2024-0668

Abstract / Keywords

Purpose - Power relations within entrepreneurial ecosystems (EEs) are crucial for fostering cooperation among entrepreneurs and ecosystem actors and driving local development and economic advancement. This study examines the social position and marginality of migrant entrepreneurs, a significant yet often overlooked group in traditional entrepreneurship discourse. It explores how power relations and differences manifest in migrant entrepreneurs' founding processes and how they address emerging challenges.

Design/methodology/approach - This qualitative case study uses field and practice angles on power theory to explore the marginalisation of migrant entrepreneursin a German Ruhr Area city with a history of immigration. Pairing deductive and inductive principles, the analysis of 23 in-depth interviews explores the many faces of power for migrant entrepreneurs and how they are dealt with.

Findings – The study identifies three key areas – knowledge, language competence and network affiliation – that shape power relations for marginalised entrepreneurs and influence their perceptions, behaviours and outcomes. Addressing these areas is crucial for creating more equitable and sustainable EEs. Despite structural disadvantages, migrant entrepreneurs use their agency to bridge divides and balance power differences
within EEs.

Originality/value – This research develops a power- and hierarchy-informed lensfor entrepreneurship and EEs, drawing on existing powertheoriesfrom othersocialscience disciplines.It highlightsthe significance ofstudying “socio-cultural outsiders” in entrepreneurship and reveals how friction, imbalance and dysfunctionality arise within EEs as inherently social and stratified contexts and how minoritised entrepreneurs cope.

Migrant entrepreneurship, Entrepreneurial ecosystems, Power relations, Structural disadvantage, Outsider entrepreneurship, Minorities, SME

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2025

2025:  

Power plays: Surfacing the hidden currents in entrepreneurial ecosystems

Zitation:  

Terstriep, J., David, A., Zaghow, L., Vershinia, N. & Freiling, J. (2025): Power plays: Surfacing the hidden currents in entrepreneurial ecosystems. Journal of Business Venturing Insights, 24. https://doi.org/10.1016/j.jbvi.2025.e00584

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2025

2025:  

Rethinking Support Policies: The Role of Belonging in Entrepreneurial Ecosystems

Zitation:  

David, A., Terstriep, J. & Freiling, J. (2025): Rethinking Support Policies: The Role of Belonging in Entrepreneurial Ecosystems. International Migration, 63 (6), 1-12. https://doi.org/10.1111/imig.70110

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2025

2025:  

Understanding the nuances of (dis-)connectedness of migrant entrepreneurs within entrepreneurial ecosystems

Zitation:  

David, A., Terstriep, J. & Freiling, J. (2025): Understanding the nuances of (dis-)connectedness of migrant entrepreneurs within entrepreneurial ecosystems. International Small Business Journal. https://doi.org/10.1177/02662426251322080

Dokumententyp:  

Zeitschriftenaufsatz

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