Kolloquium am 20. August 2026

Kinder als Minderheit: Was eine alternde Gesellschaft für junge Menschen bedeutet

IAT-Kolloquium am 28. September 2026
Prof. Dr. Sebastian Kurtenbach (6. von rechts) mit Teilnehmenden des IAT-Kolloquiums im Wissenschaftspark Gelsenkirchen. © IAT

Prof. Dr. Sebastian Kurtenbach diskutierte beim IAT-Kolloquium über strukturelle Benachteiligungen von Kindern und notwendige Veränderungen

Wie kinderfreundlich ist eine Gesellschaft, in der junge Menschen zahlenmäßig immer stärker zur Minderheit werden? Dieser Frage widmete sich Prof. Dr. Sebastian Kurtenbach von der FH Münster am 28. September beim IAT-Kolloquium im Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Seine Ausgangsthese war deutlich: „Die alternde Gesellschaft ist weder kindgerecht noch gerecht zu Kindern.“

Kurtenbach zeigte anhand verschiedener gesellschaftlicher Bereiche, welche Folgen die demografische Entwicklung für Kinder und Jugendliche haben kann. Junge Menschen verfügten über vergleichsweise wenig politische Interessenvertretung und erlebten zugleich zahlreiche strukturelle Widersprüche. Einerseits bestehe weitgehend Einigkeit darüber, dass Bildung und gute Bedingungen für Kinder wichtig seien, andererseits stoße deren praktische Umsetzung immer wieder an Grenzen.

Auch Schule nahm einen breiten Raum ein. Kurtenbach plädierte dafür, nicht nur danach zu fragen, was Kinder in der Schule leisten, sondern stärker darauf zu schauen, wie es ihnen dort geht. Kinder verbrächten einen erheblichen Teil ihrer Wachzeit in Bildungseinrichtungen, gleichzeitig seien Veränderungen im Schulsystem häufig mit hohen Hürden verbunden. Hinzu kommen eine zunehmend vielfältige Lebenswirklichkeit und ein hybrides Aufwachsen in einer digitalen Welt, auf die Institutionen und Erwachsene selbst noch nicht immer passende Antworten gefunden haben.

In der anschließenden Diskussion wurden einzelne Thesen durchaus kontrovers diskutiert und durch Gegenpositionen ergänzt. Breite Zustimmung gab es jedoch bei der Frage, ob gesellschaftlich mehr getan werden müsse, um Kindern gute Bedingungen für ihr Aufwachsen und ihre Zukunft zu ermöglichen.

Kurtenbach fasste seinen Appell zum Abschluss entsprechend deutlich zusammen: Kinder gehörten stärker ins gesellschaftliche und politische Zentrum. Seine Schlussthese: „Kinder sind der letzte Sinn und die einzige Zukunft der Gesellschaft. Beides, Sinn und Zukunft, sollte in jeder noch so schweren Krise im Zentrum stehen.“

 

 

Hintergrund
Mit seinen regelmäßig stattfindenden Kolloquien schafft das IAT einen offenen Raum für den wissenschaftlichen Austausch zu aktuellen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Fragestellungen. Forschende und Fachleute stellen ihre Themen und Projekte vor und diskutieren sie mit den Teilnehmenden. Die Kolloquien finden im Wissenschaftspark Gelsenkirchen statt und sind in der Regel öffentlich. Interessierte können sich zu den jeweiligen Terminen anmelden.