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Nachruf Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Hermann Hartwich (1928-2018)

Abbildung Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Hermann Hartwich

Hans-Hermann Hartwich, Gründungspräsident des Instituts Arbeit und Technik (IAT), ist am 12. Oktober 2018, wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag gestorben.

 

Hans-Hermann Hartwich studierte Anfang der fünfziger Jahre an der Freien Universität Berlin unter anderem bei Ernst Fraenkel, einem der profiliertesten Politikwissenschaftler jener Zeit, und bei Gert von Eynern, der die „Politische Wirtschaftslehre“ in Deutschland begründet hat. Politikwissenschaft verstand sich damals nicht zuletzt als Demokratiewissenschaft und schloss politische Bildung als selbstverständliche Aufgabe mit ein. Hartwich widmete sich seit Anfang der 1960er Jahre am Otto-Suhr-Institut („OSI“) folgerichtig mit besonderer Aufmerksamkeit der politischen Lehrerbildung. 1962 erschien die erste von vielen Auflagen seines populärsten Werkes „Politik im 20. Jahrhundert“ (zusammen mit Grosser, Horn und Scheffler), das über Jahrzehnte eines der bedeutendsten Lehrbücher zur politischen Bildung war. Von 1969 bis 1972 war Hartwich Bundesvorsitzender der Deutschen Vereinigung für politische Bildung (DVPB).

1970 erschien seine Habilitationsschrift „Sozialstaatspostulat und gesellschaftlicher Status quo“, die bis heute als Standardwerk zitiert wird. Nach seiner ersten Professur an der Freien Universität Berlin nahm er 1973 einen Ruf an das Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hamburg an, dessen Studien- und Prüfungsordnungen er maßgeblich mitgestaltete. Trotz der Abstecher nach Gelsenkirchen 1988/89, als Gründungspräsident des Instituts Arbeit und Technik (IAT), und an die Martin- Luther-Universität Halle-Wittenberg, wo er zwischen 1991 und 1995 als Gründungsdekan des Fachbereichs Geschichte – Philosophie – Sozialwissenschaften, als Professor und als Prorektor für Strukturreform und Entwicklungsplanung wirkte (hier maßgeblich beteiligt an der Einrichtung der Fachdidaktiken, u.a. für Sozialkunde), blieb er bis zu seiner Emeritierung 1992 Professor an der Universität Hamburg.

Hans-Hermann Hartwich fungierte von 1983 bis 1988 als Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für politische Wissenschaft (DVPW) und von 1982 bis 1990 als Vorsitzender von dessen Ausschuss für Studienreform, der die Kernbereiche der Politikwissenschaft definierte, nach denen später die Studiengänge in den neuen Bundesländern eingerichtet wurden. Seine persönliche Aufbauarbeit dankte ihm die Universität Halle-Wittenberg 1998 mit einer Ehrenpromotion. Ab 1996 finden wir ihn als Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirates am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialwissenschaften (WZB). (Quelle: Budrich Verlag 2018)

So viel in wenigen Stichworten zur wissenschaftlichen Karriere Hartwichs. Wir werden dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren und ihn nicht vergessen. Unser heutiges Institut wäre ohne sein Wirken nicht vorstellbar.

Unser Mitgefühl gilt der Familie