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Minijobs in der Altenpflege

Verdecktes Potential zur Kompensation des Fachkräftemangels in der Region Emscher-Lippe? – Aktuelle Studie aus dem IAT

Pressemitteilung vom 23.02.2018
Redaktion: Claudia Braczko

Vor allem Frauen arbeiten in Minijobs – oft, um sich einen kleinen Nebenverdienst zu sichern oder um neben dem Beruf genug Zeit zu haben für Betreuungs- und Sorgearbeit in der Familie. Sie sind in der Regel nur wenige Wochenstunden beschäftigt und wegen der Geringfügigkeit der Beschäftigung nicht sozial abgesichert. Sie könnten oder wollen aber vielleicht mehr Stunden arbeiten. Birgt die Aufstockung solcher Minijobs genug Potential, den drohenden Fachkräftemangel zu kompensieren? Dieser Frage ist das Institut Arbeit und Technik (IAT/Westfälische Hochschule) für den Bereich Altenpflege in der Region Emscher-Lippe nachgegangen.

Die Studie »Arbeitszeiten aufstocken. Vom Minijob zur sozialversicherungspflichtigen Be-schäftigung in der Wertschöpfungskette Pflege – Chancen für Frauen und kleine und mittlere Unternehmen in Emscher-Lippe« wurde durch das Kompetenzzentrum Frau & Beruf Emscher-Lippe c/o Zentrum Frau in Beruf und Technik (ZFBT) in Auftrag gegeben. Zentrales Ergebnis der IAT-Studie: Quantitativ bietet die Aufstockung von Minijobber*innen im Raum Emscher-Lippe nur wenig Potential. „Aber entscheidend ist, ob durch den Einsatz von Minijobber*innen im Betrieb die Fachkräfte entlastet und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch mitarbeiterorientierte Arbeitszeitmodelle unterstützt werden kann“, meint die IAT-Forscherin Laura Schröer.

Da Minijobs durch das Ehegattensplitting steuerlich begünstigt werden, stehen viele Beschäftigte einer möglichen Aufstockung von Arbeitsstunden eher negativ gegenüber, wie die Befragung zeigte. „Ein wichtiger Hebel, um das Arbeitsangebot auszuweiten, sind bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Bezahlung in der Alten- und Krankenpflege. Darüber hinaus ist dem betrieblichen Mismatch individueller Arbeitszeitwünsche zu begegnen und die Arbeitszeit für alle Beschäftigten verlässlicher zu organisieren“, fordert Projektleiterin Michaela Evans, Leiterin des Forschungsschwerpunkts Arbeit und Wandel am IAT.

Mit neuen Angebotsstrukturen im Zuge der Ambulantisierung der Altenpflege könnten auch neue Einsatzfelder für verschiedene Personengruppen in der Pflege gestaltet werden, schlägt Schröer vor. Angesichts des hohen Anteils von Minijobber*innen mit einem nicht pflegerischen Berufsabschluss wäre dies ein interessantes Entwicklungsfeld. Denn das Fachkräftepotential an qualifizierten Personen mit pflegerischer Ausbildung liegt in Emscher-Lippe bei knapp 500 Personen, knapp 1.000 Frauen sind insgesamt in einem Minijob in den ambulanten Diensten in der Region tätig.

Weiterbildungsmaßnahmen sollten mit der Entwicklung neuer Versorgungsangebote verknüpft werden. Denn an- und umgelernte Kräfte können etwa in Demenzwohngemeinschaften als „Präsenzkräfte“ oder ausschließlich im „ambulanten Seniorenpflegetourenbereich“ eingesetzt werden, wo sie in den Bereichen Hauswirtschaft (kochen, Wäsche waschen, Reinigung der Wohnung/des Zimmers, Erledigung von Einkäufen) und Begleitung (bspw. bei Arztterminen) unterstützend tätig sind. Der Ausbau von Angeboten in der Kurzzeit-, Verhinderungs-, Tages- und Nachtpflege wird künftig an Bedeutung gewinnen. „Pflegeunternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels sind gefordert, betriebliche Strategien zu entwickeln, die die Felder Arbeitsorganisation, Personaleinsatz und neue Versorgungsangebote integrierter aufgreifen“, so die IAT-Forscherinnen.

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Michaela Evans
Laura Schröer

Publikation zum Thema:

Schröer, Laura
2018: Minijobs in der Altenpflege: verdecktes Potential zur Kompensation des Fachkräftemangels in der Region Emscher-Lippe? Internet-Dokument. Gelsenkirchen: Inst. Arbeit und Technik. Forschung Aktuell, Nr. 03/2018 PDF