Institut Arbeit und Technik

Pressemitteilung vom 08.10.2009Autorin: Claudia Braczko

Azubis stehen zum Handwerk

IAT befragte Jugendliche zu ihrer Sicht auf die Ausbildungssituation

Wer eine Lehrstelle im Handwerk hat, beurteilt die Berufs- und Karrieremöglichkeiten seiner Ausbildung deutlich positiver als Außenstehende. 88,1Prozent der Auszubildenden würden anderen Jugendlichen eine Ausbildung im Handwerk empfehlen. Noch einmal für eine Ausbildung in ihrem Betrieb würden sich 62 Prozent entscheiden, weitere 26 Prozent blieben im gleichen Beruf und würden lediglich den Betrieb wechseln wollen. Nur 12 Prozent würden sich im Nachhinein ganz anders entscheiden.

Das zeigt eine Befragung von 1.103 Auszubildenden aus dem nördlichen Ruhrgebiet, die vom Institut Arbeit und Technik (IAT/ Fachhochschule Gelsenkirchen) und der Ruhr-Universität Bochum in Kooperation mit den Handwerkskammern Düsseldorf und Münster durchgeführt wurde, um die Sicht der Azubis auf die Ausbildungssituation zu beleuchten. „Das bei Außenstehenden eher schlechte Bild vom Handwerk deutet auf ein Imageproblem hin. Offenbar fehlen Informationen über Chancen und Karrieremöglichkeiten einer Ausbildung im Handwerk“, so die IAT-Wissenschaftlerin Katharina Rolff.

Wie die Befragung ergab, informieren sich Auszubildende im Handwerk bei den Ausbildungsbetrieben, weniger in Schule und Arbeitsagentur. 78,4% der Jugendlichen entschieden sich aufgrund persönlichen Interesses für eine Ausbildung im Handwerk. Weitere Entscheidungshilfen für die Auszubildenden boten Information und Beratung (13,8%), fehlende Alternativen (14,8%) sowie Familientraditionen (11,4%). Zudem wurden von den Auszubildenden die „Zukunftsperspektive“, die das Handwerk bietet, „handwerkliches Geschick“ und ein „generelles Interesse am Handwerk“ als Beweggründe angegeben. Mehr als zwei Drittel lernen ihren „Wunschberuf“.

25,9 Prozent der Azubis sind mit ihrer Ausbildung „sehr zufrieden“, weitere 38,8 Prozent „zufrieden“, wobei die Betriebe gegenüber der ÜLU (Überbetrieblichen Lehrunterweisung) und Berufsschule besonders gut abschnitten. Nach wie vor hat das Handwerk jedoch Nachwuchsprobleme, da nicht nur Bewerber fehlen, sondern viele Jugendliche wegen Wissens- und Kompetenzdefiziten für eine Ausbildung nicht geeignet erschienen. Dieses Qualitätsproblem der Ausbildungsbetriebe spielt für die Jugendlichen allerdings kaum eine Rolle: Nach Selbsteinschätzung der Auszubildenden werden außer im Bereich der Fremdsprachen und Mathematik keine nennenswerten Defizite gesehen.

Aktuelle Publikation(en) zum Thema:

Becker, David / Prijanto, Michaela / Rolff, Katharina

Für weitere Fragen steht Ihnen zur Verfügung:

Katharina Rolff