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Arbeitszeiten aufstocken. Vom Minijob zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in der Wertschöpfungskette Pflege – Chancen für Frauen und kleine und mittlere Unternehmen in Emscher-Lippe / AA-EL

Fragestellung und Hintergrund der Studie

Der Arbeitsmarkt zeichnet sich durch eine Vielzahl von Beschäftigungsformen und Beschäftigungsverhältnissen aus, die zum einem auf die wachsenden betrieblichen Anfordernissen nach Flexibilität und zum anderen auf die Pluralisierungstendenzen der modernen Gesellschaft zurück gehen. Geringfügige Beschäftigung hat sich, als Sonderform der Teilzeitarbeit mit einem besonderen sozialrechtlichem Standard, auf dem Arbeitsmarkt etabliert. Geringfügige Beschäftigungen wie Mini- und befristete Aushilfsjobs sind versicherungsfrei und steuerfrei. Häufig diskutiert wird, ob Minijobs ein Karrieresprungbrett oder –hemmniss darstellen.

Die Gesundheits- und Sozialwirtschaft ist für das Ruhrgebiet eine bedeutende Wachstumsbranche, welche sich aber auch durch eine Ausweitung von Teilzeitarbeit und atypischen Beschäftigungsformen ausgezeichnet. 10,08% der Personen, die einem Minijob in NRW nachgehen sind im Gesundheits- und Sozialwesen tätig . Angesichts der aktuellen Debatte um Fachkräfteengpässe in der Branche sind daher Strategien notwendig, die dazu beitragen können, bislang ungenutzte Erwerbspotenziale von Frauen zu erschließen. Insbesondere Altenpflegefachkräfte zählen nach aktuellen Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu den sogenannten Engpassberufen im Ruhrgebiet, aber auch bundesweit. Es stellt sich somit die Frage, ob der Fachkräftemangel im Bereich der Altenpflege durch eine Aufstockung der Arbeitszeiten des vorhandenen Personals kompensiert werden kann.

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse ist in einer differenzierenden Analyse zu überprüfen, welche Gründe für die Ausübung eine Minijobs (als ausschließliche Beschäftigung oder als ergänzende Beschäftigung) vorliegen. Zudem ist herauszuarbeiten, ob und unter welchen Bedingungen die Aufstockung vom Minijob auf eine höherwertige Tätigkeit individuelle und betriebliche Entwicklungsperspektiven eröffnet und wie diese möglich wird. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage zu beantworten, was fördernde und hemmende Faktoren der Chancen eines berufsbiographischen Aufstiegs vom Minijob zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in der Altenhilfe sind.

Ziel und Aufgabenstellung

Das Zentrum Frau in Beruf und Technik der Stadt Castrop-Rauxel hat das Institut Arbeit und Technik mit der Erstellung der Studie „„Arbeitszeiten aufstocken. Vom Minijob zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in der Wertschöpfungskette Pflege – Chancen für Frauen und kleine und mittlere Unternehmen in Emscher-Lippe“ beauftragt.

Übergeordnetes Ziel der Studie ist die quantitative Darstellung der Beschäftigungssituation von geringfügig und teilzeitbeschäftigten Personen in der „Wertschöpfungskette Pflege“. Zudem ist herauszuarbeiten, ob und unter welchen Bedingungen die Aufstockung vom Minijob auf eine höherwertige Tätigkeit individuelle und betriebliche Entwicklungsperspektiven eröffnet und wie diese möglich wird. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage zu beantworten, was fördernde und hemmende Faktoren der Chancen eines berufsbiographischen Aufstiegs vom Minijob zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in der Altenhilfe sind.

Die Studie beabsichtigt die Beantwortung folgender Fragestellungen

  • Wie viele Minijobber/-innen sind in der Altenhilfe im Untersuchungsgebiet tätig und bei welchen Trägern (private, öffentliche oder freigemeinnützige)?
  • Wie sieht die Struktur der Beschäftigungsverhältnisse bei den privaten ambulanten Dienstleistern aus?
  • Was sind individuelle Handlungsmotive der Ausübung eines Minijobs?
  • Welche Relevanz besitzt der Minijob im erwerbsbiografischen Kontext?
  • Was sind Vor- und Nachteile von Minijobs aus betrieblicher Perspektive in der untersuchten Branche?
  • Was sind Vor- und Nachteile von Minijobs aus individueller Perspektive?
  • Besteht bei den Beschäftigten das Bedürfnis, einen Minijob in eine Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigung umzuwandeln?
  • Engagieren sich Betriebe dafür, Minijobs in eine sozialversicherungspflichtige (Vollzeit-)beschäftigung umzuwandeln oder ihren Teilzeitbeschäftigten eine Aufstockung der Arbeitszeit zu ermöglichen?
  • Wie ist die Übergangsrate von ausschließlich geringfügig beschäftigten Frauen in eine sozialversicherungspflichtige Teilzeit-/Vollzeitbeschäftigung in der ambulanten Altenpflege?
  • Was sind aus individueller, betrieblicher und institutioneller Perspektive fördernde und hemmende Faktoren?
  • Was können für Beschäftigte und Betriebe wirksame Maßnahmen sein, um den Wechsel von einem Minijob in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis zu erleichtern?

Vorgehen

Im Rahmen der Studie wird eine Sekundäranalyse geeigneter amtlicher Statistiken durchgeführt. Datengrundlage des Forschungsvorhabens ist die amtliche Pflegestatistik sowie Beschäftigtendaten der Agentur für Arbeit.

Neben diesen quantitativen Studienanteilen erfordert der Großteil der o.g. Fragestellungen eine qualitative Herangehensweise. Methodisch bieten sich hier leitfadengestützte Interviews an, die teilweise face-to-face und teilweise telefonisch durchgeführt werden. Zudem erfolgt die Durchführung und Auswertung problemzentrierter Interviews mit Beschäftigten, Vertretern der Betriebe und intermediären Organisationen. Darüber hinaus ist ein Validierungsworkshop zur Diskussion der Ergebnisse mit Experten und Multiplikatoren für den 25.09.17 im Rahmen der Emscher-Lippe Tage vorgesehen.