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Evaluierung des Innovationsprogrammes NRW / EIN

Ziel und Aufgabenstellung

Noch immer werden vielfältige Instrumente der modernen Informationsgesellschaft von Wirtschaft und Verwaltung zu wenig genutzt. Auf der wirtschaftlichen Ebene gilt dies in besonderem Maße für kleine und mittlere Unternehmen, die IuK-Technologien nur selten als strategisches Element und Instrument zur Optimierung der Geschäftsprozesse entlang der Wertschöpfungskette einsetzen.

Innovative Maßnahmen

Die Europäische Kommission (EK) hat die beschriebenen Defizite bereits vor einigen Jahren erkannt und in eine entsprechende Förderpolitik umgesetzt. In diesem Kontext dienen die “Innovativen Maßnahmen” des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) als “Versuchslabore” für benachteiligte Regionen. Da die Experimentiermöglichkeiten im Rahmen der zentralen Maßnahmen der Strukturfonds häufig eng begrenzt sind, verschaffen diese den regionalen Akteuren den notwendigen Risikospielraum, um den Herausforderungen der Informationsgesellschaft begegnen zu können. Sinn und explizite Zielsetzung dieser Maßnahmen ist die Ausarbeitung neuartiger Methoden und Praktiken, mit denen die Qualität der jeweiligen Hauptprogramme der Regionen (hier: Ziel 2) gesteigert werden kann. Die innovativen Maßnahmen der Förderperiode 2000-2006 stützen sich auf drei Säulen:

(1) die Kofinanzierung regionaler Programme und daraus resultierender Projekte,

(2) begleitende Maßnahmen zur Förderung des Erfahrungsaustausches und der Vernetzung der Regionen sowie

(3) die Veranstaltung eines Wettbewerbs zur Ermittlung und Nutzung bewährter Verfahrensweisen.

Die Regionen – so auch das Land Nordrhein-Westfalen – waren aufgefordert, Programmvorschläge auszuarbeiten, die einzelne oder alle drei genannten Bereiche berücksichtigen. Insofern hat sich auf EU-Ebene eine Abkehr von der Projektförderung hin zur Programmförderung vollzogen.

Innovationsprogramm NRW

Das Land Nordrhein-Westfalen hat mit dem Innovationsprogramm NRW die Möglichkeit ergriffen, für die Förderperiode 2000-2006 Projekte im Rahmen dieser besonderen Förderung durchzuführen. Ziel des Innovationsprogramms NRW ist die Erprobung neuer Möglichkeiten zur Nutzung der vielfältigen Instrumente der modernen Informationsgesellschaft für die regionale Entwicklung und damit zum Abbau identifizierter Diffusionsdefizite im öffentlichen und privaten Sektor. Im Vordergrund steht dabei die Erstellung lokaler Internetplattformen, internetbasierter Verwaltungsabläufen und intelligenter IuK-Strategien für Unternehmen. Hervorzuheben ist in diesem Kontext der explorative Charakter des Programms, das sich in Anlehnung an die “Innovativen Maßnahmen” der Europäischen Kommission, als Versuchslabor zur Entwicklung und Erprobung neuer Methoden und Verfahren versteht. Daneben zielt das Programm auf die Sammlung von Erkenntnissen und Erfahrung, die eine Optimierung des Ziel 2-Programms NRW unterstützten, ab. Offizieller Starttermin des Programms war der 1. Januar 2002. Die Laufzeit beträgt 30 Monate und endet einschließlich der formalen Abwicklung am 30. Juni 2005. Für die Umsetzung des Programms wurden von der Kommission Mittel in Höhe von 2.265 Mio. € zur Verfügung gestellt, die zu 50% aus öffentlichen und privaten Mitteln kofinanziert werden müssen. In seiner inhaltlichen Ausrichtung bezieht sich das Programm auf den, von der Kommission genannten Schwerpunkt eEuropeRegio: die Informationsgesellschaft im Dienste der regionalen Entwicklung. In diesem Bereich wird ein erhebliches regionales Defizit im NRW-Fördergebiet festgestellt.

Entsprechend der Richtlinien der Europäischen Kommission sind die Maßnahmen in den Regionen einer Evaluierung zu unterziehen. Die wesentlichen Fragestellungen der Evaluierung ergaben sich zum einen aus der Zielsetzung des Innovationsprogramms selbst, zum anderen aus den übergeordneten Programmzielen der Europäischen Union. Für die Evaluierung eines experimentellen Ansatzes, wie er im Rahmen des Innovationsprogramms angelegt ist, ergaben sich weitere Spezifika hinsichtlich der Untersuchungsmethoden.

Methodisches Vorgehen

Für die Ausgestaltung der Evaluierung stellte die Frage nach dem Programmtyp den zentralen Ausgangspunkt dar. Für das Innovationsprogramm NRW sind zwei Merkmale charakteristisch:

(1) der experimentelle und damit relativ ergebnisoffene Ansatz sowie

(2) die Konzentration auf Verbundprojekte. Für die Evaluierung ergaben sich damit folgende Überlegungen:

  • Kennzeichnend für das Innovationsprogramm ist dessen experimenteller Charakter, der mit einer relativ offenen Zielsetzung einhergeht. Diese Offenheit ist notwendig, da zwar grundsätzlich von positiven Wirkungen innovativer Maßnahmen ausgegangen wird, es jedoch unklar ist wie diese konkret aussehen. Dem Programm liegt insofern ein Bottom-up Ansatz zugrunde, der Gestaltungsspielräume zur Umsetzung des Programms als wünschenswert erachtet. Das Programmumsetzung erfolgt insofern als iterativer Prozess.
  • Unter Evaluierungsaspekten war dieser Bottom-up Ansatz als Experimentierfeld zu verstehen, da viele mit der Gestaltung von Verbundprojekten einhergehende Fragen zu Beginn der Laufzeit des Programms noch ungeklärt waren.
  • Nicht zuletzt ist festzustellen, dass derartige Projekte nur einen Faktor in einem komplexen Wirkungszusammenhang bilden. So stehen Evaluierungen politischer Programme immer vor dem Problem, die Auswirkungen einzelner Interventionen im Rahmen eines komplexen Wirkungsgeflechts angemessen beurteilen zu müssen. Bei experimentellen Projekten werden diese Schwierigkeiten zusätzlich dadurch verstärkt, dass hier zugunsten der regionalen Gestaltbarkeit lediglich Anregungen formuliert werden. Neben operationalisierten Programmzielen enthält das Programm damit eine Reihe impliziter Wirkungen, insbesondere Netzwerkeffekte, mit überwiegend weichen Zielsetzungen wie Einstellungs- oder Verhaltensänderungen.

Für die Evaluierung resultierte daraus das Erfordernis von Analysen auf zwei Ebenen: Auf Projektebene stellte sich die Frage nach den Kriterien für die Beurteilung und den Spannungsfeldern derartiger Projekte, um auf Programmebene einen Beitrag zur künftigen Programmentwicklung leisten zu können. Forschungsleitend war die Frage nach der Angemessenheit und Effizienz der durchgeführten Maßnahmen anhand der geförderten Projekte bzw. die Frage, wie die einzelnen Projekte konzipiert und strukturiert sein sollten, um die Chancen zur Realisierung der gewünschten Ergebnisse zu erhöhen. Im Mittelpunkt stand folglich nicht die Untersuchung spezifischer Wirkungen, sondern die Analyse von Chancen für Wirkungen.

Methodisch bedeutete dies, dass neben einem Abgleich der formalen Anforderungen an das Programm – wie die Einbindung in die Ziel 2-Strukturen – der Betrachtung der Einzelprojekte sowie den Aussagen der beteiligten Akteure einschließlich der Projektnehmer ein hoher Stellenwert beizumessen war. Vor diesem Hintergrund wurde die Evaluierung in 3 Phasen unterteilt, die nachfolgend kurz erläutert werden:

  • Phase 1: Sichtung der Programm- und Projektunterlagen
  • Phase 2: Expertengespräche mit den Programmdurchführenden
  • Phase 3: Interviews mit ausgewählten Projektnehmern

Um eine erste Einordnung hinsichtlich der Ausrichtung und Zielsetzung des NRW-Programms im Rahmen der “Innovativen Maßnahmen” vornehmen zu können, wurden zunächst die entsprechenden Dokumente der Europäischen Kommission gesichtet. Dabei handelte es sich neben den allgemeinen Darstellungen auf der Internetseite der DG Regio vor allem um die Leitlinien für die Innovativen Maßnahmen des EFRE im Zeitraum 2000-2006.

Darüber hinaus bildete die Sichtung und Analyse der Projekt- und Programmunterlagen für die Beurteilung des Konzepts, des Wettbewerbsverfahrens, der eingebundenen Stellen sowie der Unterstützungsleistungen für die Antragsteller einen wesentlichen Bestandteil der Evaluierung. Für beide Programmstränge erfolgte eine Auswertung der Projektanträge anhand der Kriterien räumliche Verteilung und thematische Schwerpunkte. Die Analyse der eingereichten Monitoringbögen ermöglichte erste Rückschlüsse auf die Zielerreichung der Projekte in Bezug auf das Innovationsprogramm selbst sowie hinsichtlich der Einbindung in das Ziel 2-Programm und der innovativen Maßnahmen der EU. Diese wurden im weiteren Verlauf der Evaluierung durch Interviews mit den Projektnehmern konkretisiert.

Soweit verfügbar, wurden den Evaluatoren die Protokolle der jeweiligen Gremiensitzungen übermittelt, die weniger einem konkreten Auswertungszweck dienten, als vielmehr dazu, Einblicke in die Verfahrensweise der Projektauswahl zu erhalten.

Um konkrete Bezugspunkte zum Ziel 2-Programm NRW herauszuarbeiten und damit Hinweise auf übertragbare Erfahrungen des Innovationsprogramms NRW zu erhalten, wurde das “Einheitliche Programmplanungsdokument” (EPPD) des Ziel 2-Programms herangezogen. Im Rahmen der Zwischenevaluierung des Ziel 2-Programms NRW haben sich die Evaluatoren darüber hinaus ausführlich – u.a. auch im Rahmen eigener Fallstudien – mit anderen Initiativen im Rahmen des Ziel 2-Programms auseinandergesetzt. Dazu zählen der Zukunftswettbewerb sowie die Entwicklung der Kommunalen Entwicklungsschwerpunkte, die im Rahmen eines Projektaufrufs vorgenommen wurden. Insgesamt wurde hinsichtlich verschiedener Aspekte auf Ergebnisse der Zwischenevaluierung des Ziel 2-Programms zurückgegriffen.

Eine weitere wichtige Informationsquelle in Bezug auf die Entwicklung des Programms, die Programmstrukturen, die Erfahrungen bei der administrativen Abwicklung und der Unterstützung von Antragstellern/ Fördernehmern sowie hinsichtlich der Austausch- und Kommunikationsströmen untereinander bildeten Interviews mit den Programmbeteiligten. Konkret wurden Expertengespräche mit der ZENIT GmbH als Technischem Sekretariat, den beiden beteiligten Referate des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit (Referat 311 und 312), den Projektträgern Jülich und ETN sowie der nordrhein-westfälischen Verwaltungsbehörde für das Ziel 2-Programm NRW geführt. Die Ergebnisse dieser Interviews sind in den Bericht eingeflossen und an den entsprechenden Stellen kenntlich gemacht.

Zur Konkretisierung der Ergebnisse wurden im nächsten Arbeitsschritt vertiefende qualitative Interviews mit Fördernehmern geführt. Diese Gespräche wurden zum Ende bzw. nach Ablauf der Projektlaufzeit terminiert, um so möglichst umfassende Aussagen zu den verschiedenen Projektphasen zu erhalten. Ziel dieser Interviews war es, Erkenntnisse zu den erbrachten Unterstützungs- und Informationsleistungen sowie deren Angemessenheit bezüglich der Anforderungen der Adressatengruppe zu erlangen, um auf dieser Basis eine Bewertung vornehmen zu können. Die Ergebnisse dieser Gespräche sind ebenfalls in die Evaluierung.

Ergebnisse

Für die Umsetzung des Innovationsprogramms wurden wurden zwei komplementäre Säulen entwickelt:

  1. Internetstrategien für KMU: Ausgangspunkt bildete der Projektaufruf zur Einreichung von Vorschlägen zur Initiierung von Verbundprojekten mit dem Ziel der Verbesserung der strategischen Internetnutzung durch KMU. Im Gegensatz zum regionalen Wettbewerb war die Gebietskulisse auf das Ziel-2 Gebiet beschränkt.
  2. Regionaler Wettbewerb für lokale Akteure (eRek): Regionale und lokale Gebietskörperschaften, Entwicklungsgesellschaften, Wirtschaftsförderungsgesellschaften sowie Kammern und Verbände waren aufgerufen innovative Projektideen in einen Wettbewerb einzubringen. Ziel dieses Handlungsstranges war die Unterstützung der Regionalentwicklung durch die Formulierung und Umsetzung standortspezifischer IT-Strategien. Die Gebietskulisse erstreckte sich auf Gesamt-NRW.

(1) Regionaler Wettbewerb für regionale Aktuere (eRek)

Ziel dieses Förderstrangs war es, die in Teilen bestehenden Defizite bei der Integration der Informationsgesellschaft in regionale Entwicklungskonzepte zu überwinden und damit zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Regionen beizutragen. Entsprechend dieser Zielsetzung waren regionale und lokale Gebietskörperschaften, Entwicklungsgesellschaften, Wirtschaftsförderungsgesellschaften sowie Kammern und Verbände zur Teilnahme an einem Wettbewerb um innovative Ideen aufgerufen. Die Gebietskulisse erstreckte sich auf Gesamt-NRW. Die Durchführung des Wettbewerbs erfolgt in einem zweistufigen Antragsverfahren: In der ersten Stufe erarbeiteten die Teilnehmenden ein maximal 5-seitige Projektskizze, die beiZENIT einzureichen war. ZENIT nahm anhand definierter Kriterien die Bewertung und das Ranking der eingereichten Projektskizzen vor. Auf Basis dieser Bewertungen erfolgte die Ermittlung der Gewinner durch einen Steuerkreis, der sich aus Vertretern des MWMEVZENIT und der ETN zusammensetzte. Die zweite Stufe umfasste die Antragstellung durch die Gewinner beim MWMEV, die Antragsprüfung, die Förderempfehlung durch ETN und die Antragsbewilligung seitens des MWMEV.

Der Aufruf zum “Regionalen Wettbewerb” war auf eine unerwartet hohe Resonanz in den Regionen gestoßen. So wurden in der ersten Stufe 29 Projektskizzen vorgelegt, von denen 19 die erste Beurteilung überstanden und aus denen schließlich 15 “Sieger” hervorgingen. Von den 15 eingereichten Projektanträgen wurden schließlich 13 Projekte als förderfähig anerkannt und bewilligt. Insgesamt deckten die bewilligten Projekte – entsprechend der Zielsetzung der Fördermaßnahme – ein breites Themenspektrum ab und reichten von elektronischen Genehmigungsverfahren über Netzwerkbildung bis hin zu Qualifizierung mittels IT. Positiv hervorzuheben ist, dass in allen Projekten die Antragsteller mit diversen öffentlichen, institutionellen und/oder privatwirtschaftlichen lokalen bzw. regionalen Akteuren kooperierten.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich sowohl die Ausweitung der Gebietskulisse über die Grenzen der Ziel-2 Region hinaus als auch die Konzeption der Projektauswahlmethode als Wettbewerb bewährt haben. Des Weiteren ist die intensive Betreuung der Antragstellenden durch ZENIT und ETN in allen Phasen des Wettbewerbs als positiv hervorzuheben. Die Frage, in welchem Umfang die Fördermaßnahme zur Schaffung von Arbeitsplätzen beitragen wird, konnte im Rahmen der Evaluierung nicht beantwortet werden, da es sich bei den bewilligten Projekten um Maßnahmen handelt, die erst in der mittleren Perspektive arbeitsplatzwirksam werden können. Der Wettbewerb versteht sich in diesem Zusammenhang eher als Basis- bzw. Anschubfinanzierung für die Strategieentwicklung und -erprobung. Dies verdeutlicht auch den experimentellen Charakter des Förderprogramms. Wohl aber zeigen sich Nachhaltigkeitswirkungen in der Form, dass im Rahmen der Projekte initiierten Aktivitäten nicht mit dem Auslaufen der Förderung enden, sondern vielerorts weitergeführt und Anschlussprojekte formuliert wurden.

(2) Internetstrategien für KMU

Ausgangspunkt bildete der Projektaufruf zur Einreichung von Vorschlägen zur Initiierung von Verbundprojekten mit dem Ziel der Verbesserung der strategischen Internetnutzung durch KMU. Im Gegensatz zum regionalen Wettbewerb war die Gebietskulisse auf das Ziel-2 Gebiet beschränkt. Förderfähig waren zwei Arten von Projekten: Erstens Projekte zur Sensibilisierung (in erster Linie Information) und zweitens konkrete Umsetzungsprojekte. Wobei den Umsetzungsprojekten im Rahmen der Projektauswahl ein höherer Stellwert beigemessen wurde als vergleichbaren Sensibilisierungsmaßnahmen.

Im Rahmen der “Internetstrategie für KMU” konnte über den Förderzeitraum insgesamt ein Mittelvolumen von 2,06 Mio. Euro vergeben werden. Insgesamt wurden von 24 eingereichten Projektanträgen 10 bewilligt. Die Auswahl der Projekte oblag für alle drei Aufrufe einem Arbeitskreis, der sich aus Vertretern der Staatskanzlei, der ZENIT GmbH, des PTJ, der Medien GmbH und demMWA zusammensetzte. Bei den geförderten Projekten handelte es sich nahezu ausschließlich um solche, in denen KMU als Verbundpartner auftreten, der Fördernehmer aber eine andere Stelle, wie etwa Forschungseinrichtungen oder Fachverbände, ist. Alle geförderten Projekte verfolgten einen branchenspezifischen Ansatz. Dies legt zum einen den Schluss nahe, dass Internetstrategien und die Nutzung moderner IuK-Technologien nicht nur in Bezug auf die Unternehmensgröße variieren, sondern auch stark branchenabhängig sind. Zum anderen kann aufgrund der branchen- und problemorientierten Ausrichtung der Projekte davon ausgegangen werden, dass sich auch nach Auslauf der Förderung nachhaltig positive Wirkungen entfalten können.

Mit der Zielsetzung, Unternehmensverbünde zu fördern, haben die unternehmensbezogenen Projekte des Innovationsprogramms den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen Rechnung getragen. Vor allem mittlere und kleine Unternehmen sehen sich zunehmend Herausforderungen gegenübergestellt, die sie nicht mehr allein, sondern im Verbund mit anderen Unternehmen bewältigen können. Diese Problematik wurde bereits frühzeitig im Rahmen der Förderung verbundspezifischer Projekte durch die Landesregierung NRW aufgenommen.

Im Vergleich zu anderen Programmen wie dem Zukunftswettbewerb NRW zeichnet sich das “Innovationsprogramm” insbesondere dadurch aus, dass es – und hier gleicht es anderen Programmen – Verbundprojekte förderte, die nicht von vornherein auf bestimmte Branchen zugeschnitten sind. Anders als im Rahmen des Zukunftswettbewerbs steht hier auch nicht der Verbund zwischen KMU und Hochschuleinrichtungen im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Verbundaktivitäten zwischenKMU. Die wichtige Fragestellung der Verwertung der erzielten Projektergebnissen nach Ablauf der Projektförderung konnte im Rahmen der Evaluierung nicht umfassend und abschließend beantwortet werden. So zeigte sich im Rahmen der Gespräche mit den Projektnehmern ein eher heterogenes Bild, das von einer Kommerzialisierung und Weiterentwicklung bis hin zur Einstellung der Aktivitäten aufgrund der im Projekt gemachten Erfahrungen reichte. Ebenso konnte keine Einschätzung “weicher” Ergebnisse wie Bewusstseinsänderungen bezüglich der Nutzung des Internets abgegeben werden, da sich diese erst im Lauf der Zeit in einem veränderten Verhalten, z.B. in Form eines strategischen Einsatzes dieser Instrumente in den KMU, widerspiegeln werden.

Bezüglich der entstandenen und gesicherten Arbeitsplätze ist zwischen dem Umfang der im Rahmen der Durchführung der einzelnen Projekte entstanden Arbeitsplätzen und solchen, die eher mittel- bis langfristig etwa durch eine gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen entstehen werden, zu differenzieren.

 

Handlungsempfehlungen

Die Ergebnisse der Evaluierung des Innovationsprogramms NRW mündeten in Handlungsempfehlungen, die sich auf die zwei Ebenen “Transferkonzept” und “Programmtyp” zu unterscheiden.

Die erste Ebene bezieht sich auf das evaluierte, mittlerweile abgeschlossene Programm und damit auf den Transfer der Ergebnisse. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Laborcharakter ein zentrales Merkmal des Innovationsprogramms ist und es zudem stark auf die Diffusion beispielhafter Lösungen abzielt, erscheint mit Abschluss des Programms ein Transferkonzept sinnvoll. Ein derartiges Transferkonzept sollte drei Elemente enthalten:

  1. Die Kommunikation der Ergebnisse, der Umsetzungsprobleme und der Erfolgsfaktoren. So ist z.B. der in den Projektgesprächen genannte Branchenbezug ein Erfolgsfaktor, der für die Anbieter von Organisations- und Softwarelösungen deshalb wichtig ist, weil bei vielen Unternehmen noch die Vorstellung verbreitet ist, möglichst umfassende Leistungsangebote zur Verfügung zu stellen und eine Spezialisierung (und damit oft auch eine Professionalisierung) noch immer vermeiden.
  2. Weiterhin sollten die Ergebnisse insbesondere der regionalen Projekte vor Ort kommuniziert werden, da es sich von der Anlage her um regionale Schlüsselprojekte handelt. Hierbei wären Workshops mit Experten vor Ort (regionale Multiplikatoren) vermutlich Erfolg versprechender als breit angelegte Präsentationsveranstaltungen.
  3. Schließlich geht es um die Erfahrungen mit dem Projektmanagement. Sowohl die Möglichkeiten von Wettbewerben, als auch die Frage der Projektfindung und Projektbegleitung stellen Themen dar, die für eine moderne Strukturpolitik von grundsätzlicher Bedeutung sind. Die im Rahmen des Programms gewonnenen Erfahrungen können ohne Zweifel Hinweise auf eine effektive Ausgestaltung des strukturpolitischen Implementationssystems liefern.

Die zweite Ebene bezieht sich auf den Programmtyp und damit auf die Erfahrungen mit einem experimentellen und stark diffusionsorientiert Programm. Diese Erfahrungen lassen sich folgende Aspekte verdichtet werden:

  • Die organisatorischen Verpflichtungen für die Projektnehmer sollten von Anfang an transparent sein. Ein Mittel hierfür könnte ein Finanzhandbuch sein, wie es sich bereits in anderen Programmen bewährt hat.
  • Ein weiterer zentraler Aspekt in Bezug auf das Programm stellt das Monitoringsystem dar. Die Etablierung eines solchen Systems ist grundsätzlich zu begrüßen, weist allerdings das Defizit auf, dass ein angemessenes Dokumentations- und Auswertungskonzept selten etabliert ist. Mit der Etablierung eines solchen Systems könnte die Evaluierung deutlich erleichtern bzw. bereits während des Programmverlaufs für eine Überprüfung der Zielerreichung genutzt werden.
  • Die intensive und durchgehende Unterstützung der Projektfindung und vorbereitung ist zwar sinnvoll, dennoch sollten dabei zwei zentrale Aspekte berücksichtigt werden:
    • (1) Es besteht ein Widerspruch zwischen Wettbewerb und intensiver inhaltlicher Betreuung im Rahmen der Projektentwicklung. So war das Programm einerseits als Wettbewerb ausgeschrieben, um einen qualitativen Wettbewerb der Projekte zu fördern. Andererseits hat die intensive inhaltliche Begleitung in der Projektfindung und vorbereitung dazu beigetragen, auch qualitativ weniger hochwertige Projekte förderfähig zu machen. Gerade diese intensive Betreuung lässt es fraglich erscheinen, warum derartig vorbereitet Projekte noch einmal einem Wettbewerbsverfahren zu unterziehen sind.
    • (2) Die inhaltliche Projektbegleitung endete in der Regel mit dem Förderbescheid. Gerade bei experimentellen Programmen erscheint es allerdings erforderlich zu überlegen, ob nicht eine reflexive Zwischenphase – etwa in Form einer Nutzwertanalyse – eingeschaltet werden sollte, um möglichen Schwierigkeiten bzw. eventuell notwendigen Verschiebungen in den Projektzielen einvernehmlich Rechnung zu tragen.
  • Ein weiterer Aspekt betrifft den Charakter des Programms. Das Programm versteht sich als Innovationsprogramm, ist aber mit seinem breiten Innovationsverständnis – und dies entspricht auch den meisten geförderten Projekten – sehr stark auf die Diffusion guter Praxis angelegt. Dies erscheint gerade in Vorbereitung auf die Informationsgesellschaft sinnvoll, sollte aber in derartigen Programmen deutlicher kommuniziert und stärker zielgerichtet genutzt werden. Dies betrifft etwa die Abstimmung mit anderen Programmen, die eine ähnliche Zielsetzung aufweisen bzw. die konsequente Nutzung der Ergebnisse vorheriger Programme. In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich, Instrumentarien für eine stärker strategisch ausgerichtete organisierte Rückkopplung zu etablieren. Bezüge finden sich zu Programmen auf allen Ebene: auf kommunaler Ebene inNRW etwa zu den Aktivitäten zur mittelstandsfreundlichen Verwaltung, auf Ruhrgebietsebene zum Zukunftswettbewerb und zu themenspezifischen Ziel-2 Maßnahmen (Tourismus, Energie, IT, Logistik), auf Bundesebene etwa zur Förderung zukünftiger, IT-gestützter Dienstleistungen. Überlegenswert ist, ausgehend von den Ergebnissen Themen stärker vorzugeben, und deren Lösung dann in einem echten Wettbewerbsverfahren auszuloben.