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Chemische Industrie in NRW – Regionale und sektorale Strukturen, globale Verflechtungen und strukturpolitische Handlungspotentiale / ChemieNRW

Ziel und Aufgabenstellung

Das Projekt zielte darauf ab, das Zusammenspiel zwischen regionalen und globalen Aspekten und daraus resultierenden strukturpolitischen Konsequenzen systematisch zu erfassen. Besonderes Augenmerk galt den unterschiedlichen Formen der regionalen Verflechtung der chemischen Industrie und den daraus resultierenden struktur- und innovationspolitischen Potenzialen. Dies ist deshalb von besonderem strukturpolitischen Interesse, weil sich gerade in dieser Branche zur Zeit ein tiefgreifender Prozess der Neustrukturierung regionaler Produktions- und Innovationsverbünde vollzieht, der angesichts eines steigenden Globalisierungsdrucks die regionalen Alternativen zwischen Desintegration und Innovationen erheblich erweitert. Strukturpolitisch besteht die entscheidende Frage darin, inwieweit es gelingt, in den bisher von einer stofflich integrierten Verbundproduktion auf Basis vor allem konzerninterner Verflechtungen geprägte Regionen neue innovative und zwischenbetriebliche Verflechtungen zu unterstützen bzw. zu initiieren.

Das Projekt ging von dem Konzept der Produktionsketten und der Annahme aus, dass Unternehmen sich in unterschiedlichen Funktionsräumen mit jeweils spezifischen räumlichen Dimensionen bewegen. Diesem Ausgangspunkt liegt die Überlegung zugrunde, dass traditionelle (statistische) Branchenabgrenzungen wenig geeignet sind, den realen Verflechtungen, Standortbedingungen und Entwicklungen gerecht zu werden. So mag die übliche Zusammenfassung zu einer Branche Chemische Industrie in einer Zeit Sinn gemacht haben, als ein sehr hohes Maß an internen stofflichen Verflechtungen (Kuppelproduktion) die Basis für integrierte Konzerne bildete. Mittlerweile hat sich in der Chemischen Industrie eine wesentliche stärkere Orientierung an Märkten (Kernkompetenz) und entsprechenden Sparten herausgebildet, eine Entwicklung, die noch nicht beendet ist. Eine angemessenere sektorale Abgrenzung sehen wir in der Produktionskette. Dies umfasst alle Funktionen, die für die Entwicklung und Vermarktung eines Produktes notwendig sind. Bezogen auf die Chemische Industrie sind somit auch z.B. Labors (Analyse, Test, Prüfen), Geräte- und Anlagenbauer oder spezilisierte Forschungseinrichtungen in die Analyse einer Produktionskette einzubeziehen.

Derartige Aggregate (Produktionsketten) sind auf Basis der verfügbaren Statistiken nicht erfassbar, sodass im Projekt zwei Analyseebenen verbunden werden sollten: Den Ausgangs- und Mittelpunkt bildeten einzelne Sparten der Chemischen Industrie, die aufgrund ihres relativ homogenen Marktbezugs den Produktionsketten am ehesten vergleichbar sind.

Diese (vergleichende) Analyse der Sparten wurde ergänzt um eine – soweit von der vorhandenen Datenlage her möglich – Bestandsaufnahmen weiterer zu den Produktionsketten gehöriger Elemente. Besonderes Augenmerk wurde der räumlichen Konzentration gewidmet, da sektorale Spezialisierungen in Form von Produktionsclustern als wesentlich für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen einer Produktionskette angesehen werden. Allerdings ist davon auszugehen, dass die räumliche Konzentration nicht in genereller, sondern eher in funktional spezifischer Hinsicht von Bedeutung ist. Von daher soll wurde in Anlehnung an Camagni davon ausgegangen werden, dass Unternehmen sich in unterschiedlichen Funktionsräumen bewegen, diese Funktionsräume geographisch unterschiedlich ausgeprägt sein können. Folgende Funktionsräume wurden unterschieden: Wettbewerbsraum (Markt), Innovationsraum (Region), Organisationsraum (Unternehmen, Konzern) und Produktionsraum (Wertschöpfungskette, Zulieferer).

Vorgehen

In einem ersten Arbeitsschritt erfolgte eine Auswertung der verfügbaren statistischen Daten für die chemische Industrie inNRW unter folgenden Aspekten:

  • Sektorale Schwerpunkten
  • Regionale Schwerpunkten
  • Beschäftigtenstruktur
  • Internationalen Verflechtungen (insbesondere mit Benelux)

In einem zweiten Arbeitsschritt wurden unterschiedliche Formen regionaler Zusammenarbeit in der chemischen Industrie untersucht, hinsichtlich ihres Modellscharakters beurteilt und mit Blick auf das Spannungsverhältnis Regionalisierung und Globalisierung interpretiert. Vor dem Hintergrund vorliegender Entwicklungstrends in der chemischen Industrie wurden in einem dritten Arbeitsschritt strukturpolitische Handlungsmöglichkeiten formuliert.