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Evaluation des Modellversuchs zum neunstündigen Berufsschultag / 9Stund

Ziel und Aufgabenstellung

Der Ausbildungsplatzmangel in ganz Deutschland hat zu neuen Diskussionen um die Flexibilisierung der dualen Erstausbildung geführt. Gefordert ist insbesondere eine bessere Abstimmung zwischen Berufsschule und Ausbildungsbetrieb. In der Kritik verschiedener Unternehmen und vor allem der Wirtschaftsverbände stehen dabei die zwei Tage Berufsschule pro Woche. Der Lernort “Betrieb” komme dadurch zu kurz und dies mache die Erstausbildung für viele Unternehmen unattraktiv. Deshalb wurde in Industrie und Handwerk die Verkürzung der Berufsschule auf einen Tag gefordert. Dieser Forderung wurde aber auch von anderer Seite entgegengehalten, dass eine reale Absenkung der jährlichen Unterrichtsstundenzahl den steigenden beruflichen Ansprüchen in den zunehmend komplexer werdenden Arbeitstätigkeiten nicht mehr gerecht werden könnte und langfristig qualititativ gegenläufige Auswirkungen für die Betriebe haben würde. Um Wege zu sichern, die duale Ausbildung für Betriebe wieder attraktiver zu gestalten, gleichzeitig aber die Zahl der Unterrichtsstunden in der Berufsschule nicht abzusenken, einigten sich Arbeitgeberverbände, Kammern, Gewerkschaften sowie das Land Nordrhein-Westfalen im Ausbildungskonsens (1996) u.a. auch darauf, im Herbst 1997 Modellversuche zur Erprobung des 9-Stunden- Schultages bzw. 8-Stunden-Berufsschultages mit jahrgangsübergreifenden Modellen in ausgewählten Berufsschulen Nordrhein-Westfalens anlaufen zu lassen.

Ziel der Evaluation des Modellversuchs – an dem neben dem IAT auch das Institut für Berufs- und Betriebspädagogik (Magdeburg) sowie das Institut für Berufs-, Wirtschafts- und Sozialpädagogik (Köln) beteiligt waren – war es, zu ermitteln, ob und wenn ja, unter welchen Rahmenbedingungen der neunstündige Berufsschultag für alle Beteiligten sinnvoll durchgeführt werden könnte. Eine Hauptaufgabe des Instituts Arbeit und Technik war in diesem Evaluationsverbund, die Belastung von Schüler/-innen und Lehrer/-innen aus arbeitswissenschaftlicher Perspektive zu beurteilen.

Vorgehen

Belastungen für die Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrpersonal können in verschiedenen Bereichen entstehen. Daher haben wir folgende Analyseebenen unterschieden, die für die Modellgruppen untersucht wurden:

  • kognitive Ebene,
  • psychologische Ebene,
  • physiologische Ebene,
  • soziologische Ebene.

Wir haben in unserem Untersuchungsansatz die Ergebnisse der neunstündigen Modellversuchsschüler den Ergebnissen einer Kontrollgruppe von Auszubildenden aus dem achtstündigen Unterrichtsmodell gegenübergestellt. Unser Untersuchungsinstrumentarium bestand darüber hinaus aus einem Methodenmix. Neben den bekannten quantivativen (z.B. schriftliche Befragung) und qualitativen (z.B. teilnehmende Unterrichtsbeobachtung) sozialwissenschaftlichen Methoden haben wir eine arbeitsmedizinische Untersuchung zur Ermittlung des Stresshormons Cortisol im Serum der Probandengruppen durchgeführt.